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Freitag, 5. November 2010

China Special II

Sonntag konnte ich endlich mal wieder ausschlafen. Bin ein Glueck noch rechtzeitig zum Fruehstueck wach geworden. Danach hab ich mich aber nochmal aufs Ohr gehauen. Anscheinend hatte ich das Jetlag samt Magen-Darm-Problem und Kopfschmerz am Expo-Tag noch nicht so ganz ueberwunden. Um 13.00 Uhr sollte mich dann Cen Yan abholen, um mir das Shopping-Center zu zeigen. Der stand dann auch puenktlich mit seinem Cousin, der kein Wort Englisch sprach, vor der Tuer. Also zogen wir drei Lustigen zwei in Richtung Shopping-Center. Dort angekommen entschieden wir uns in den Walmart zu gehen. Dort wollte ich endlich mal wieder Obst kaufen und schauen, was es so fuer chinesische Spezialitaeten gibt. Ich fragte Cen Yan, was man so als Snack in China isst, jedoch im gleichen Moment hatte ich ein komisches Gefuehl und kurze Zeit spaeter wusste ich warum. Er zeigte mir einzeln verpackte und anscheinend gekochte Fleischstuecke vom Rind und Schwein, Goetterspeise mit irgendwelchen Fruechten drin und zu guter letzte die beruehmten Huehnerfuesse auf denen die hier rumkauen (es gibt sie wirklich). Ich wollte nicht alle Vorschlaege ablehnen entschied mich fuer die Goetterspeise und die Fleischstuecke, die Hueherfuesse lehnte ich doch dankend ab. Ich kaufte dann aber noch gute Daim Schokolade, auch ein paar Pistazien und Broetchen. Ja, es gibt hier Broetchen und keine schlechte Auswahl! Damit ging es wieder zurueck ins Hotel. Dann gab es erstmal Mittag mit diesen Rindfleischbrocken, die komisch aussahen, aber lecker waren, Broetchen, Ananas und Schokolade. Das war mal wieder etwas europaeischer. Danach habe ich an dem China Special geschrieben. Qin Yan Li schrieb mir noch am Freitag, dass sie Sonntag Abend Experimente am Konfokalen Laserscanning-Mikroskop macht. Das ist ein Mikroskop mit dem man hier in erster Linie beobachtet wie gut Krebszellen die Nanopartikel und Molekule, die wir in Suedafrika herstellen, aufnehmen und wie viele nach Lichtbestrahlung sterben. Das ist die erste Stufe, um zu testen wie lebende Organismen auf unsere Molekuele und Nanopartikel reagieren. Bei Erfolg folgen danach Tierversuche und irgendwann klinische Studien. Ich machte mich gegen 19.30 Uhr auf zum Labor. Leider musste ich feststellen, dass die Tueren geschlossen waren. Nachdem ich schon fast uber den Zaun geklettert waere, fand ich doch noch ne offene Tuer und kam rein. Leider habe ich den falschen Aufgang genommen und landete in einem anderen Gebauede. Nachdem der Hausmeister ohne Englischkenntnisse mir wenig weiterhelfen konnte, fand ich noch einen Studenten, der mich verstand und mich ins richtige Gebaeude fuehrte. Hier fand ich dann auch Yan Li und sie erklaerte mir den Aufbau und ihr Projekt. Danach kehrte ich wieder zum Hotel zurueck, arbeitete noch ein wenig an meinem Vortrag und ging schlafen.
Montag mittag sollte ich meinen zweiten Vortrag halten. Ich arbeitete am Vormittag noch ein wenig am Vortrag und hielt dann den Vortrag wieder vor der Arbeitsgruppe. Es gab wieder keine Fragen der Studenten, aber eine interessante Diskussion mit den beiden anwesenden Profs. Danach beschloss ich in mein Hotelzimmer zu gehen, da ich dort einen besseren Internetanschluss habe. Dort arbeitete ich noch ein wenig an der Beschaffung von Daten, die fuer den neuen Aufbau hier noetig waren. Abends beschloss ich einfach mal loszulaufen. Ein Waliser Kommunikations-Prof. hatte mir beim Fruehstueck eine Visitenkarte von einem Restaurant gegeben und meinte das waere super und das wollte ich mir anschauen. Wollte mir das Restaurant aber erstmal ansehen bevor ich Prof Chen dorthin einlade. Also lief ich nach einem kurzen Blick auf die google Earth Karte los. Ich dachte so richtig verlaufen kannste dich schon nicht. Nach einer Weile kam ich an einem unterirdischen Markt vorbei. Der war schon ueberwiegend dunkel und nur noch ein paar Haendler waren dort, aber ich lief einfach mal rein. Hatte ein wenig den Charme von „Blade Runner“: Dunkel, stickig und dreckig, aber irgendwie urig. Danach fand ich auch die Hausnummer des Restaurant, aber das Restaurant selber nicht. Also ging ich ich unverrichteter Dinge wieder Richtung Hotel. Auf dem Weg fand ich diverse andere interessante Restaurants, aber zu einem Besuch mit Prof. Chen sollte es nicht mehr kommen.
Dienstag morgen war zunaechst wieder Routine in meinem Buero angesagt. Aber dann kam Cen Yan vorbei, um mir einen anderen Aufbau der Gruppe zu zeigen. Es schien, dass meine Versuche Kontakt mit den Studenten aufzunehmen und mir eigenmaechtig Versuchsaufbauten anzusehen bei Chef angekommen sind und er nun Studenten vorbeischickte, die mir Aufbauten zeigen sollten. Am nachmittag kam dann wieder Yan Li vorbei und wollte mir Jinfeng Zhao vorstellen, eine andere Studentin, die mit weiteren Molekuelen von uns Versuche durchfuehrt. Jinfeng war sehr schuechtern und traute sich nicht Englisch mit mir zu reden, weil sie meinte, sie kann nicht gut reden. Sie wollte immer, dass Yan Li fuer sie uebersetzt, aber Yan Li blieb hart und zwang sie mit mir Englisch zu reden. Mir tat Jinfeng ein wenig leid, dass sie sich so abmuehte. Ihr Englisch war nicht schlecht, aber sie traute sich einfach nicht. Ich hab dann einfach Ja/Nein fragen gestellt, um es ihr leichter zu machen. Im Prinzip wusste ich ja, was sie macht und kannte die Molekuele, die sie verwendete.
Danach ging ich Yan Li, in die Mensa zum Abendbrot. Es ist immer leichter mit einem Chinesen in die Mensa zu gehen, da die fuer mich dann an der Theke uebersetzen koennen. Nach dem Abendbrot auf dem Weg zum Department sind wir dann noch an einer Erstsemesterveranstaltung vorbeigekommen. Dort sassen die Studenten in einem Theatersaal und auf der Buehne gab es einen Wettkampf von Studenten im Singen, Tanzen und anderen Disziplinen. Yan Li ging wieder zurueck zur Arbeit und ich ins Hotel. Am Abend habe ich noch ein wenig an einer Publikation gearbeitet.
Mittwoch morgen war ich wieder frueh in die Uni um weiter an der Publikation arbeiten. Zum Mittag wollte ich wieder in die Mensa und Wang-Tang-Suppe essen, aber es gab keine und somit zog ich wieder ab. Nachmittags kam Yan Li vorbei. Ich hatte sie gebeten mit mir zu dem Souvenir-Shop des Campus zu gehen und ein wenig zu uebersetzen. Ich habe mir einen Pullover der Uni gekauft und noch ein paar lustige Erinnerungsstuecke. Yan Li hat dann ganz akribisch die Dinge, die ich gekaufen wollte ueberprueft und wenn da ein Kratzer drin war, hat sie die Dame dort gleich angewiesen ein Neues zu holen. Danach ging ich wieder zurueck ins Department um weiterzuarbeiten. Um 17.30 Uhr war ich dann mit Prof Chen zum Abendessen verabredet. Diesmal wurde wieder Bier bestellt, obwohl ich nein sagte und es gab diesmal eine Fischsuppe, Fisch in einer suessen Marinade, wieder Schweinefleisch in suesser Marinade, eine andere Suppe mit Teigtaschen aehnlich Wang-Tang, Bauchfleisch in Gemuese und lokale grosse, gruene Bohnen (sahen aus wie gruene Kidneybohnen). Wie immer sehr lecker. Wir haben uns diesmal viel ueber Arbeit, aber auch ueber Deutschland und China unterhalten. Die Sicht Prof. Chens ueber Suedafrika und Deutschland waren sehr plakativ: Kurz zusammengefasst: In Deutschland ist eine Doktorarbeit schwierig und das Uni-System sehr unflexibel, aber Deutsche sind fleissig und arbeiten viel. Schwarze in Suedafrika sind arbeitslos, arm und faul, aber wenn Musik an ist, dann tanzen sie und sind froehlich. Weisse in Suedafrika machen keine Doktorarbeit, weil sie gleich einen Job finden. Naja, ich denke, wenn wir sagen sollten, was fuer ueber China wissen und denken, kommt sicherlich aehnlicher Unsinn raus. Abends hab ich mich wieder an die Publikation gesetzt, Sarah ueber Skype Reparaturanweisungen fuer den Laser in Suedafrika gegeben und Kerstin fragen zu ihren Messungen beantwortet.
Donnerstag morgen ging es wie immer ins Buero. Dort fand ich mal Zeit Literatur zu lesen, die schon lange auf meinem Computer lag, ich aber nie lesen konnte. Mittags versuchte ich mich allein in der Mensa. Eigentlich wollte ich unbedingt wieder Wan Tan (oder hochchinesich Huntun) Suppe essen, aber ich sah keine Kloesse mehr hinter dem Counter und mein Chinsisch reichte nicht fuer eine Diskussion ueber Essen. Ich erfuhr von Yan Li, dass ich gegen 11.20 hingehen muss. Etwas fruh fuer Mittag finde ich. Also ging ich an einen anderen Counter und bestellte Reis, Blumenkohl mit Schinken und ein lokales gruenes Gemuese mit Tofu. Die Damen lachten mich anscheinend ob meiner Wahl an oder aus. Nachdem ich das gruene Gemuese probiert hatte wuerde ich sagen, sie lachten sie mich eher aus. Trotzdem wurde ich satt von dem Rest. Soviel Gemuese wie in den letzten zwei Wochen hab ich wahrscheinlich das ganze Jahr nicht gegessen. In der Mensa ist mir wieder etwas aufgefallen, dass mich bei der Expo schon und auch 2003 auf dem Weg nach Neuseeland ueber Korea genervt hatte (Patryk und Sebastian wissen wovon ich rede). Chinesen und Koreaner sind ruecksichtslos auf der Strasse, im Flugzeug oder in der Mensa. Wenn du irgendwo stehst, dann wirst du einfach umgerannt. Das liegt vielleicht daran, dass die Menschen hier nicht soviel Platz haben und deshalb um den wenigen Platz kaempfen muessen. Am Anfang war ich noch ruecksichtsvoll und habe Platz gemacht, aber das fuehrte dazu, dass mich dann ein anderer von hinten ueberrannte. Also hab ich nach ein paar Tagen auf den Chinesen-Modus geschaltet und verteile regelmaessig Bodyckecks. Koennt euch vorstellen, dass bei meiner Groesse schon einige Chinesen ein wenig weiter weg geflogen sind. Aber es hat sich keiner beschwert, scheint okay zu sein. Nachmittags hat mich Qin Yan Li abgeholt, um mit mir Mitbringsel einkaufen zu gehen. Wir gingen wieder zum oertlichen Walmart, aber mit ihr war es einfacher bestimmte Dinge zu finden oder danach zu fragen. Ich habe hauptsaechlich Lebensmittel und Tee gekauft. Danach ging es zum Abendbrot wieder in die Mensa. Diesmal konnte Yan Li endlich fuer mich Wan Tan Suppe bestellen und da wir frueh da waren, gab es auch noch welche. Beim dritten Anlauf hatte es geklappt. Beim Essen fiel mir auf, dass sie nicht wie die anderen schmatzte und ich sprach sie auf diese Gewohnheit an. Sie sagte, dass ihre Eltern sie so erzogen haben, dass man das nicht macht. Sie meinte das machen halt eher die Maenner. Es scheint so, als wenn sich das fuer Frauen auch nicht gehoert. Naja, scheint so ein chinesisches Maennerding zu sein, zumindest beim Fruehstueck komme ich immer wieder in den Genuss. Abends habe ich dann wieder ein paar emails fuer die Arbeit beantwortet und versucht Kerstin bei den Messungen in Gtown ueber Skype behilflich zu sein. Danach ging es ins Bett.
Freitag war der letzte offizielle Arbeitstag. Ich hatte mir Donnerstag einen Basketball von den Studenten ausgeliehen. Ich ging jeden Morgen an einem Basketballplatz vorbei und da juckte es irgendwie wieder in den Fingern. Nach dem Furehstueck auf dem Weg zur Arbeit ging es fuer ne Viertelstunde auf den Platz. Hat ein paar Wuerfe gedauert, aber dann war ich wieder drin. Ich hab sicher schon seit 10 Jahren nicht mehr richtig Basketball gespielt, aber in Gtown kaufe ich mir erstmal wieder einen Ball. Bin wieder auf den Geschmack gekommen. Danach stand wieder Routine im Buero an. Prof. Chen kam dann zu mir ins Buero um sich zu verabschieden. Ich hatte vor zwei Tagen zu Lei Li gesagt, dass ich heute nochmal gerne allein durch die Stadt gehen wollte. Prof. Chen erklaerte mir nochmal, dass er nicht moechte, dass ich verloren gehe und ich deshalb morgen mit einem Studenten ins Museum gehe und zusaetzlich noch eine kleinen Stadtrundlauf machen werde. Er meinte auch sollte heute nachmittag nicht mehr in der Uni sitzen sondern lieber zum Shopping-Center gehen und einkaufen.
Dieses Mal ging ich frueh zum Mittag um endlich meine Wan Tan Suppe mal allein bestellen und bekommen zu koennen. Ich also forsch ran an den Tresen und das vorher eine Stunde lange in allen moeglichen Tonlagen geuebte huntun laut ins Gesicht der netten Dame hinter dem Tresen. Sie schaute mich nur fassungslos an und machte keine Bewegung in Richtung der Teigtaschen hinter ihr. Ich versuche es noch einmal mit anderer Betonung, vielleicht hatte ich sie grade als Schlampe bezeichnet. Im Chinesischen gibt es viele Worte die gleich fuer uns klingen, aber mit einer anderen Betonung eine andere Bedeutung haben. Als Antwort bekam ich nur ein Schulterzucken. Also zueckte ich den beruehmten Finger aus der Hosentasche und zeigte auf das Gewollte und da, sie verstand und ich bekam meine Wan Tan sogar in richtiger Menge. Es gibt naemlich 1, dass sind 50 g, 2 100g und so weiter. 100 g sind vollkommen ausreichend fuer eine Mahlzeit. Der Finger, die ultimative Sprache. Nach dem Mittag, welches ich wieder mit zwei schmatzenden aelteren Herren am Tisch einnahm, hatte ich Lust noch etwas Basketball zu spielen. Also nahm ich den Ball und zog los. Die Plaetze waren noch recht frei, denn es finden in der Mittagszeit immer organisierte Spiele mit Schiedsrichter statt. Nach einer Weile gesellten sich ein paar Spieler zu mir an den Korb und nach ca. einer halben Stunde musste ich den Korb raeumen, da eines der Spiele startete. Ich spielte noch ein wenig auf dem Nebenplatz und ging wieder Richtung Buero. Gegen 18.00 Uhr holte mich dann wieder Yanli zum Abendbrot ab. Ich wollte heute mal ein anderes Gericht probieren. Auch eine Suppe, aber die wird direkt nach der Bestellung erst zuende gekocht. Man sucht sich da aus mehreren Topfen etwas aus und das wird dann direkt auf den Gasherd warm gemacht. Ich hab etwas mit Hackfleischbaellchen und Gemuese genommen. Nach dem Abendbrot sind wir noch etwas spazieren gegangen und haben im Hauptgebaeude geschaut, was da so los ist. Dort war der Fudan Idol Wettbewerb der auslaendischen Studenten. Das ist eine Veranstaltung in der auslaendische Studenten etwas auf der Buehne vorfuehren und dann so wie bei Pop Idol bzw Deutschland sucht das Supertalent bewertet werden. War teilweise sehr lustig und es waren sogar deutsche Studenten auf der Buehne. Yanli musste dann frueher gehen, weil sie noch Experimente durchfuehren wollte und ich blieb noch ein paar Minuten bevor ich Richtung Hotel ging. Dort schrieb ich noch an diesem Text und surfte ein wenig im Internet.

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