Sonntag konnte ich endlich mal wieder ausschlafen. Bin ein Glueck noch rechtzeitig zum Fruehstueck wach geworden. Danach hab ich mich aber nochmal aufs Ohr gehauen. Anscheinend hatte ich das Jetlag samt Magen-Darm-Problem und Kopfschmerz am Expo-Tag noch nicht so ganz ueberwunden. Um 13.00 Uhr sollte mich dann Cen Yan abholen, um mir das Shopping-Center zu zeigen. Der stand dann auch puenktlich mit seinem Cousin, der kein Wort Englisch sprach, vor der Tuer. Also zogen wir drei Lustigen zwei in Richtung Shopping-Center. Dort angekommen entschieden wir uns in den Walmart zu gehen. Dort wollte ich endlich mal wieder Obst kaufen und schauen, was es so fuer chinesische Spezialitaeten gibt. Ich fragte Cen Yan, was man so als Snack in China isst, jedoch im gleichen Moment hatte ich ein komisches Gefuehl und kurze Zeit spaeter wusste ich warum. Er zeigte mir einzeln verpackte und anscheinend gekochte Fleischstuecke vom Rind und Schwein, Goetterspeise mit irgendwelchen Fruechten drin und zu guter letzte die beruehmten Huehnerfuesse auf denen die hier rumkauen (es gibt sie wirklich). Ich wollte nicht alle Vorschlaege ablehnen entschied mich fuer die Goetterspeise und die Fleischstuecke, die Hueherfuesse lehnte ich doch dankend ab. Ich kaufte dann aber noch gute Daim Schokolade, auch ein paar Pistazien und Broetchen. Ja, es gibt hier Broetchen und keine schlechte Auswahl! Damit ging es wieder zurueck ins Hotel. Dann gab es erstmal Mittag mit diesen Rindfleischbrocken, die komisch aussahen, aber lecker waren, Broetchen, Ananas und Schokolade. Das war mal wieder etwas europaeischer. Danach habe ich an dem China Special geschrieben. Qin Yan Li schrieb mir noch am Freitag, dass sie Sonntag Abend Experimente am Konfokalen Laserscanning-Mikroskop macht. Das ist ein Mikroskop mit dem man hier in erster Linie beobachtet wie gut Krebszellen die Nanopartikel und Molekule, die wir in Suedafrika herstellen, aufnehmen und wie viele nach Lichtbestrahlung sterben. Das ist die erste Stufe, um zu testen wie lebende Organismen auf unsere Molekuele und Nanopartikel reagieren. Bei Erfolg folgen danach Tierversuche und irgendwann klinische Studien. Ich machte mich gegen 19.30 Uhr auf zum Labor. Leider musste ich feststellen, dass die Tueren geschlossen waren. Nachdem ich schon fast uber den Zaun geklettert waere, fand ich doch noch ne offene Tuer und kam rein. Leider habe ich den falschen Aufgang genommen und landete in einem anderen Gebauede. Nachdem der Hausmeister ohne Englischkenntnisse mir wenig weiterhelfen konnte, fand ich noch einen Studenten, der mich verstand und mich ins richtige Gebaeude fuehrte. Hier fand ich dann auch Yan Li und sie erklaerte mir den Aufbau und ihr Projekt. Danach kehrte ich wieder zum Hotel zurueck, arbeitete noch ein wenig an meinem Vortrag und ging schlafen.
Montag mittag sollte ich meinen zweiten Vortrag halten. Ich arbeitete am Vormittag noch ein wenig am Vortrag und hielt dann den Vortrag wieder vor der Arbeitsgruppe. Es gab wieder keine Fragen der Studenten, aber eine interessante Diskussion mit den beiden anwesenden Profs. Danach beschloss ich in mein Hotelzimmer zu gehen, da ich dort einen besseren Internetanschluss habe. Dort arbeitete ich noch ein wenig an der Beschaffung von Daten, die fuer den neuen Aufbau hier noetig waren. Abends beschloss ich einfach mal loszulaufen. Ein Waliser Kommunikations-Prof. hatte mir beim Fruehstueck eine Visitenkarte von einem Restaurant gegeben und meinte das waere super und das wollte ich mir anschauen. Wollte mir das Restaurant aber erstmal ansehen bevor ich Prof Chen dorthin einlade. Also lief ich nach einem kurzen Blick auf die google Earth Karte los. Ich dachte so richtig verlaufen kannste dich schon nicht. Nach einer Weile kam ich an einem unterirdischen Markt vorbei. Der war schon ueberwiegend dunkel und nur noch ein paar Haendler waren dort, aber ich lief einfach mal rein. Hatte ein wenig den Charme von „Blade Runner“: Dunkel, stickig und dreckig, aber irgendwie urig. Danach fand ich auch die Hausnummer des Restaurant, aber das Restaurant selber nicht. Also ging ich ich unverrichteter Dinge wieder Richtung Hotel. Auf dem Weg fand ich diverse andere interessante Restaurants, aber zu einem Besuch mit Prof. Chen sollte es nicht mehr kommen.
Dienstag morgen war zunaechst wieder Routine in meinem Buero angesagt. Aber dann kam Cen Yan vorbei, um mir einen anderen Aufbau der Gruppe zu zeigen. Es schien, dass meine Versuche Kontakt mit den Studenten aufzunehmen und mir eigenmaechtig Versuchsaufbauten anzusehen bei Chef angekommen sind und er nun Studenten vorbeischickte, die mir Aufbauten zeigen sollten. Am nachmittag kam dann wieder Yan Li vorbei und wollte mir Jinfeng Zhao vorstellen, eine andere Studentin, die mit weiteren Molekuelen von uns Versuche durchfuehrt. Jinfeng war sehr schuechtern und traute sich nicht Englisch mit mir zu reden, weil sie meinte, sie kann nicht gut reden. Sie wollte immer, dass Yan Li fuer sie uebersetzt, aber Yan Li blieb hart und zwang sie mit mir Englisch zu reden. Mir tat Jinfeng ein wenig leid, dass sie sich so abmuehte. Ihr Englisch war nicht schlecht, aber sie traute sich einfach nicht. Ich hab dann einfach Ja/Nein fragen gestellt, um es ihr leichter zu machen. Im Prinzip wusste ich ja, was sie macht und kannte die Molekuele, die sie verwendete.
Danach ging ich Yan Li, in die Mensa zum Abendbrot. Es ist immer leichter mit einem Chinesen in die Mensa zu gehen, da die fuer mich dann an der Theke uebersetzen koennen. Nach dem Abendbrot auf dem Weg zum Department sind wir dann noch an einer Erstsemesterveranstaltung vorbeigekommen. Dort sassen die Studenten in einem Theatersaal und auf der Buehne gab es einen Wettkampf von Studenten im Singen, Tanzen und anderen Disziplinen. Yan Li ging wieder zurueck zur Arbeit und ich ins Hotel. Am Abend habe ich noch ein wenig an einer Publikation gearbeitet.
Mittwoch morgen war ich wieder frueh in die Uni um weiter an der Publikation arbeiten. Zum Mittag wollte ich wieder in die Mensa und Wang-Tang-Suppe essen, aber es gab keine und somit zog ich wieder ab. Nachmittags kam Yan Li vorbei. Ich hatte sie gebeten mit mir zu dem Souvenir-Shop des Campus zu gehen und ein wenig zu uebersetzen. Ich habe mir einen Pullover der Uni gekauft und noch ein paar lustige Erinnerungsstuecke. Yan Li hat dann ganz akribisch die Dinge, die ich gekaufen wollte ueberprueft und wenn da ein Kratzer drin war, hat sie die Dame dort gleich angewiesen ein Neues zu holen. Danach ging ich wieder zurueck ins Department um weiterzuarbeiten. Um 17.30 Uhr war ich dann mit Prof Chen zum Abendessen verabredet. Diesmal wurde wieder Bier bestellt, obwohl ich nein sagte und es gab diesmal eine Fischsuppe, Fisch in einer suessen Marinade, wieder Schweinefleisch in suesser Marinade, eine andere Suppe mit Teigtaschen aehnlich Wang-Tang, Bauchfleisch in Gemuese und lokale grosse, gruene Bohnen (sahen aus wie gruene Kidneybohnen). Wie immer sehr lecker. Wir haben uns diesmal viel ueber Arbeit, aber auch ueber Deutschland und China unterhalten. Die Sicht Prof. Chens ueber Suedafrika und Deutschland waren sehr plakativ: Kurz zusammengefasst: In Deutschland ist eine Doktorarbeit schwierig und das Uni-System sehr unflexibel, aber Deutsche sind fleissig und arbeiten viel. Schwarze in Suedafrika sind arbeitslos, arm und faul, aber wenn Musik an ist, dann tanzen sie und sind froehlich. Weisse in Suedafrika machen keine Doktorarbeit, weil sie gleich einen Job finden. Naja, ich denke, wenn wir sagen sollten, was fuer ueber China wissen und denken, kommt sicherlich aehnlicher Unsinn raus. Abends hab ich mich wieder an die Publikation gesetzt, Sarah ueber Skype Reparaturanweisungen fuer den Laser in Suedafrika gegeben und Kerstin fragen zu ihren Messungen beantwortet.
Donnerstag morgen ging es wie immer ins Buero. Dort fand ich mal Zeit Literatur zu lesen, die schon lange auf meinem Computer lag, ich aber nie lesen konnte. Mittags versuchte ich mich allein in der Mensa. Eigentlich wollte ich unbedingt wieder Wan Tan (oder hochchinesich Huntun) Suppe essen, aber ich sah keine Kloesse mehr hinter dem Counter und mein Chinsisch reichte nicht fuer eine Diskussion ueber Essen. Ich erfuhr von Yan Li, dass ich gegen 11.20 hingehen muss. Etwas fruh fuer Mittag finde ich. Also ging ich an einen anderen Counter und bestellte Reis, Blumenkohl mit Schinken und ein lokales gruenes Gemuese mit Tofu. Die Damen lachten mich anscheinend ob meiner Wahl an oder aus. Nachdem ich das gruene Gemuese probiert hatte wuerde ich sagen, sie lachten sie mich eher aus. Trotzdem wurde ich satt von dem Rest. Soviel Gemuese wie in den letzten zwei Wochen hab ich wahrscheinlich das ganze Jahr nicht gegessen. In der Mensa ist mir wieder etwas aufgefallen, dass mich bei der Expo schon und auch 2003 auf dem Weg nach Neuseeland ueber Korea genervt hatte (Patryk und Sebastian wissen wovon ich rede). Chinesen und Koreaner sind ruecksichtslos auf der Strasse, im Flugzeug oder in der Mensa. Wenn du irgendwo stehst, dann wirst du einfach umgerannt. Das liegt vielleicht daran, dass die Menschen hier nicht soviel Platz haben und deshalb um den wenigen Platz kaempfen muessen. Am Anfang war ich noch ruecksichtsvoll und habe Platz gemacht, aber das fuehrte dazu, dass mich dann ein anderer von hinten ueberrannte. Also hab ich nach ein paar Tagen auf den Chinesen-Modus geschaltet und verteile regelmaessig Bodyckecks. Koennt euch vorstellen, dass bei meiner Groesse schon einige Chinesen ein wenig weiter weg geflogen sind. Aber es hat sich keiner beschwert, scheint okay zu sein. Nachmittags hat mich Qin Yan Li abgeholt, um mit mir Mitbringsel einkaufen zu gehen. Wir gingen wieder zum oertlichen Walmart, aber mit ihr war es einfacher bestimmte Dinge zu finden oder danach zu fragen. Ich habe hauptsaechlich Lebensmittel und Tee gekauft. Danach ging es zum Abendbrot wieder in die Mensa. Diesmal konnte Yan Li endlich fuer mich Wan Tan Suppe bestellen und da wir frueh da waren, gab es auch noch welche. Beim dritten Anlauf hatte es geklappt. Beim Essen fiel mir auf, dass sie nicht wie die anderen schmatzte und ich sprach sie auf diese Gewohnheit an. Sie sagte, dass ihre Eltern sie so erzogen haben, dass man das nicht macht. Sie meinte das machen halt eher die Maenner. Es scheint so, als wenn sich das fuer Frauen auch nicht gehoert. Naja, scheint so ein chinesisches Maennerding zu sein, zumindest beim Fruehstueck komme ich immer wieder in den Genuss. Abends habe ich dann wieder ein paar emails fuer die Arbeit beantwortet und versucht Kerstin bei den Messungen in Gtown ueber Skype behilflich zu sein. Danach ging es ins Bett.
Freitag war der letzte offizielle Arbeitstag. Ich hatte mir Donnerstag einen Basketball von den Studenten ausgeliehen. Ich ging jeden Morgen an einem Basketballplatz vorbei und da juckte es irgendwie wieder in den Fingern. Nach dem Furehstueck auf dem Weg zur Arbeit ging es fuer ne Viertelstunde auf den Platz. Hat ein paar Wuerfe gedauert, aber dann war ich wieder drin. Ich hab sicher schon seit 10 Jahren nicht mehr richtig Basketball gespielt, aber in Gtown kaufe ich mir erstmal wieder einen Ball. Bin wieder auf den Geschmack gekommen. Danach stand wieder Routine im Buero an. Prof. Chen kam dann zu mir ins Buero um sich zu verabschieden. Ich hatte vor zwei Tagen zu Lei Li gesagt, dass ich heute nochmal gerne allein durch die Stadt gehen wollte. Prof. Chen erklaerte mir nochmal, dass er nicht moechte, dass ich verloren gehe und ich deshalb morgen mit einem Studenten ins Museum gehe und zusaetzlich noch eine kleinen Stadtrundlauf machen werde. Er meinte auch sollte heute nachmittag nicht mehr in der Uni sitzen sondern lieber zum Shopping-Center gehen und einkaufen.
Dieses Mal ging ich frueh zum Mittag um endlich meine Wan Tan Suppe mal allein bestellen und bekommen zu koennen. Ich also forsch ran an den Tresen und das vorher eine Stunde lange in allen moeglichen Tonlagen geuebte huntun laut ins Gesicht der netten Dame hinter dem Tresen. Sie schaute mich nur fassungslos an und machte keine Bewegung in Richtung der Teigtaschen hinter ihr. Ich versuche es noch einmal mit anderer Betonung, vielleicht hatte ich sie grade als Schlampe bezeichnet. Im Chinesischen gibt es viele Worte die gleich fuer uns klingen, aber mit einer anderen Betonung eine andere Bedeutung haben. Als Antwort bekam ich nur ein Schulterzucken. Also zueckte ich den beruehmten Finger aus der Hosentasche und zeigte auf das Gewollte und da, sie verstand und ich bekam meine Wan Tan sogar in richtiger Menge. Es gibt naemlich 1, dass sind 50 g, 2 100g und so weiter. 100 g sind vollkommen ausreichend fuer eine Mahlzeit. Der Finger, die ultimative Sprache. Nach dem Mittag, welches ich wieder mit zwei schmatzenden aelteren Herren am Tisch einnahm, hatte ich Lust noch etwas Basketball zu spielen. Also nahm ich den Ball und zog los. Die Plaetze waren noch recht frei, denn es finden in der Mittagszeit immer organisierte Spiele mit Schiedsrichter statt. Nach einer Weile gesellten sich ein paar Spieler zu mir an den Korb und nach ca. einer halben Stunde musste ich den Korb raeumen, da eines der Spiele startete. Ich spielte noch ein wenig auf dem Nebenplatz und ging wieder Richtung Buero. Gegen 18.00 Uhr holte mich dann wieder Yanli zum Abendbrot ab. Ich wollte heute mal ein anderes Gericht probieren. Auch eine Suppe, aber die wird direkt nach der Bestellung erst zuende gekocht. Man sucht sich da aus mehreren Topfen etwas aus und das wird dann direkt auf den Gasherd warm gemacht. Ich hab etwas mit Hackfleischbaellchen und Gemuese genommen. Nach dem Abendbrot sind wir noch etwas spazieren gegangen und haben im Hauptgebaeude geschaut, was da so los ist. Dort war der Fudan Idol Wettbewerb der auslaendischen Studenten. Das ist eine Veranstaltung in der auslaendische Studenten etwas auf der Buehne vorfuehren und dann so wie bei Pop Idol bzw Deutschland sucht das Supertalent bewertet werden. War teilweise sehr lustig und es waren sogar deutsche Studenten auf der Buehne. Yanli musste dann frueher gehen, weil sie noch Experimente durchfuehren wollte und ich blieb noch ein paar Minuten bevor ich Richtung Hotel ging. Dort schrieb ich noch an diesem Text und surfte ein wenig im Internet.
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Freitag, 5. November 2010
Montag, 1. November 2010
China Special
Hey Leute,
Ich habe mich schon lange nicht mehr ueber diesen Weg bei euch gemeldet. Wie immer ist die Ausrede, dass viel los war und ich keine Zeit gefunden habe, das alles aufzuschreiben. Ich werde das nachholen und im Blog veroeffentlichen.
Doch zunaechst kommt ein China Special. Ich bin seit dem 24.10. in Shanghai an der Fudan Universitaet um ein Setup mit den Kollegen hier aufzubauen. Mein erstes Mal in Asien, wenn man mal die Tuerkei nicht mitzaehlt. Als jemand aus dem “Westen”, faehrt man ja vielleicht mit einigen Vorurteilen nach China. Das Tibet-Problem, die Inhaftierung von politischen Gegner (grade aktuell mit dem Nobelpreissieger Liu Xiaobo) und Meinungsfreiheit ist immer wieder ein Thema in westlichen Medien. Ich muss sagen, ich wusste nicht, was mich erwartet und habe versucht relativ offen in das Land zu gehen. Der Flug mit Singapure Airlines war der beste Langstreckenflug, den ich jemals erlebt habe. Der Service fuer Economie war super, die Flugbegleiter freundlich und das Flugzeug top (Boeing 777). Da koennen sich unsere Freunde von der Lufthansa mit denen ich im Sommer geflogen mal Einiges von abschneiden. Der Empfang von der Dame bei der Imigration war weniger freundlich. Befehle wie schauen sie mich an, Brille ab und schauen sie auf den Bildschrim, ob die Daten korrekt sind, erinnerten mich ein wenig an meine Bundeswehrzeit. Beim Zoll musste man seinen Koffer noch einmal roentgen lassen und ein Schild ueber dem Apparat wiess darauf hin, dass man es lieber ueber sich ergehen lassen sollte, als einen Aufstand zu machen; das waere einfacher. Beim Empfand standen dann unglaublich viele Menschen mit noch mehr Karten mit Namen drauf und warteten auf ankommende Passagiere. Im diesem Moment war ich mir nicht sicher, ob ich Wu Xi, der mich abholen sollte, jemals finden wuerde. Aber nach nur kurzer Zeit sah ich das Schild mit meinem Namen. Leicht ueberschwenglich fing ich sofort mit einem Smalltalk an, als mich Wu Xi ueberraschend nach meinem Ausweis fragte. Zunaechst dachte ich an einen chinesischen Witz. Aber nein, er meinte es ernst und kontrollierte meinen Ausweis fast so gewissenhaft wie die Dame an der Immigration. Aber nach der Kontrolle war dann alles schick.
Wu Xi Englisch ist fuer einen Chinesen gut, doch leider stottert er, was die Verstaendigung wieder schwieriger machte. Mit den Bus ging es Richtung Stadt. Das Wetter war typisch fuer diese Jahreszeit, regnerisch. Auf unserem Weg kamen wir an der Transrapidstrecke zwischen Flughafen und Stadt vorbei (das wollten sie in Bayern ja auch zwischen Airport und Stadt bauen, Herr Staeuble beschreibt das so herrlich in seiner Rede ueber den Muenchner Flughafen, muesst ihr mal bei youtube nachschauen!). Am Unigelaende angekommen ging es erstmal ins Hotel der Uni. Das Zimmer in dem ich untergekommen bin ist super. Es hat den Charme vom Ostdeutschland der 80er Jahre, was ich aber ohne Haeme sage. Es riecht hier auch alles ein wenig wie fruher im Osten. Ich weiss, ich bin kein Ossi, aber ich war oefters zu Besuch und da roch es immer anders, das koennen Ossi bestaetigen (ich sag nur Westpaket). Ich hatte auch keine Vorstellung wie das Bad in China ausgestattet sein wird, aber es ist genau so ausgestattet wie in Deutschland. Ich stellte aber am naechsten Tag fest, dass die Klos eigentlich nur ein Loch im Boden sind und in meinem Zimmer fuer die Touristen extra ein „westliches“ Klo eingerichtet wurde.
Wir waren zu einer Zeit angekommen in der die Mensa fuers Abendbrot noch nicht offen war, so dass wir in ein Restaurant nahe der Uni gingen. Die Speisekarte war ein DinA4 Blatt vorne und hinten mit chinesichen Zeichen beschrieben. Ich haette nicht mal sagen koennen, was die Gerichte und was die Getraenke sind. Aber sie hatten auch eine Karte in der ein paar Gerichte in Englisch uebersetzt waren. Ich bestellte Eierreis mit Barbeque-Schwein. Fuer mich war es dann eher Eierreis mit Speck, aber es schmeckte lecker. Hier wurden auch wieder die unterschiedlichen Essgewohnheiten von Chinesen und Europaern deutlich. Ich kannte das ja schon etwas von chinesischen Wissenschaftlern, die Deutschland besucht hatten. Das es nur Staebchen gibt, kennt man ja vom chinesischen Restaurant. Aber dann wird geschmatzt was das Zeug haelt, was ein Zeichen von Genuss ist. Ausserdem werden Dinge, die man nicht runterschlucken will wieder auf dem Tisch gespuckt. Ohne Wu Xi waere ich aber vielleicht schon am ersten Tag verhungert. Es sprechen unglaublich wenig Menschen hier Englisch. Selbst im Hotel musste Wu Xi fuer mich uebersetzen. An diesem Abend setze ich dann noch einige Emails und Telefongespraeche Richtung Deutschland und Suedafrika ab bevor ich versuchte frueh schlafen zu gehen.
Am naechsten Morgen ging es zunaechst zum ersten chinesischen Fruehstueck. Es gab auch Toast und Marmelade, aber ich wollte mich gleich mal integrieren und griff nach Staebchen, Nudeln mit Gemuese, gefuellten Kloessen, irgendwelches gekochtes Gemuese und irgendwas Suesse mit Cocus (und das, obwohl ich Cocus nicht mag). Die Suppe mit Ei war dann aber zuviel fuer den ersten mutigen Tag. Alles hat gut geschmeckt, aber es war einfach ungewoehnlich es zum Fruehstueck zu essen. Nach dem Fruehstueck musste ich noch etwas fuer meinen Vortrag machen. Leider kam der gastgebende Prof. Chen eine Stunde frueher als erwartet, so dass mein Vortrag noch nicht ganz fertig war. Ich konnte an meinem neuen Arbeitsplatz aber schnell noch eine Abschlussfolie mit Bildern von Suedafrika einfuegen.
Der Vortrag verlief gut auch wenn ich das Gefuehl hatte, dass mich ausser der Prof keiner verstanden hatte. Der Prof. stellte sich nach meinem Vortrag auch nochmal hin und fasste ihn zusammen. Zum Mittag ging es in die Mensa. Wir waren etwas zu spaet und somit war das Essen schon etwas kalt. Hier wird Mittag zwischen 11.30 und 12.30 gegessen und Abendbrot nicht viel spaeter als 17.00. Im Laufe des nachmittags diskutierten wir noch ein wenig ueber Proben, die ich mitgebracht hatte und ich konnte meinen Arbetsplatz richtig einrichten, den ich mit einem Nordkoreaner teile, der kein Englisch spricht. In dieser Zeit mach sich auch ein erstes Unwohlsein breit. Wu Xi holte mich dann zum Abendbrot in der Mensa ab. Ich zahle hier uebrigens alles mit einer Karte auf der 540 Yuan (ca. 60 Euro) geladen sind. Prof. Chen darf mir kein Bargeld geben. Ich hatte eigentlich keinen Appetit, aber ich ging aus Hoeflichkeit mit. Habe dann auch nur ein paar Pilze mit Reis gegessen. Am Abend wurde das Unwohlsein schlimmer und die Nacht spielte sich zwischen Bad und Bett mit Schuettelfrost ab. Da habe ich dann die Quittung fuer meinen Mut beim Essen bekommen. Am naechsten Morgen ass ich dann artig Toast mit Marmelade wie es sich fuer einen Europaeer gehoert, meldete mich per email ab und legte mich wieder ins Bett. Mittags ging ich dann zu Prof. Chen ins Buero, aber ich schien nicht besonders gut ausgesehen zu haben, da er mich gleich wieder in Hotel schickte. Dort blieb ich den ganzen Tag. Abends brachte mir Wu Xi noch chinesische Medizin, die ich nehmen sollte. Die Nacht war wieder etwas bewegt und an Schlafen war weniger zu denken.
Mittwoch Morgen ging es schon besser. Immer noch auf Toast-und-Marmeladen-Diaet konnte ich auch schon wieder mehr essen. Endlich bekam ich auch die entsetzten Gesichter der Chinesen (die ich eigentlich vermeiden wollte) um mich herum, die sich wunderten, wie man sowas wie Toast mit Marmelade zum Fruehstueck essen konnte: Soviel zum Thema Integration. Auch diesmal blieb ich vormittags im Zimmer. Nachmittags ging es aber dann in die Uni. Dort stellte ich fest, dass ich von hier aus auf fast keine Internetseite Zugiff habe. Vom Hotel aus sind schon Seiten wie Facebook, Youtube und auch mein Blog gesperrt, aber in der Uni komm ich nicht mal auf google.de. Offiziell soll damit in der Uni vermieden werden, das die Studenten andere Seiten als fuer ihre Arbeit besuchen. Dafuer muss man sich erst bei der Uni anmelden. Die Alternative ist google.hk. Fuer jemanden, dem sonst das ganze Internet zur Verfuegung steht, ist das ein komisches Gefuehl. Ausserdem soviele Trojaner wie mein Virenprogramm hier in den letzten zwei Tagen gefunden hat, habe ich sonst nicht in einem ganzen Jahr.
Am Abend lud mich Prof. Chen zum Abendbrot ein. Mir war nicht wirklich schon nach essen, aber ablehnen wollte und konnte ich nicht. Prof. Chen bestellte ein ganze Variation von chinesischen Spezialitaeten. Diese wurden in Schuesseln auf den Tisch gestellt und dann konnte man sich selber bedienen. Das waren gegrillte Schrimps, Schwein in einer suessen Sosse, Schein paniert mit Gemuese, irgendein lokales Gemuese ohne englischen Namen und Reis mit Schrimps. Immer wenn ich dachte, das ist aber viel, kam eine neue Schuessel. Dazu gab es heisses Wasser zu trinken. Prof Chen bestellte aber fuer mich ein Bier, da ich ja Deutscher bin und Bier trinke, sagte er. Nach einer etwas hitzigen Diskussion ueber einen Artikel von Wadzi und mir (vermute das Hitzige war typisch Chinesisch, sonst koennte man es auch unfreundlichnennen), den Prof Chen nicht gut fand, ging es hauptsaechlich um Suedafrika. Den Abend verbrachte ich wieder allein auf meinem Zimmer
Die Nacht zum Donnerstag konnte ich endlich mal wieder durchschlafen, so kann es weitergehen! Endlich startete der erste volle Arbeitstag ohne Beschwerden. Zunaechst begann ich diesen Bericht zu schreiben und kuemmerte mich um den zweiten Vortrag, den ich am Montag halten soll. Das Mittagessen liess ich ausfallen und versuchte die Arbeit der letzten Tage aufzuholen. Am Abend holte mich Wu Xi zum Abendbrot ab. Er wollte gerne mit mir in ein Restaurant im nahegelegenden Shopingcenter gehen. Die Fassaden der Haeuser waren hellerleuchtet und in bunten Farben. Ich versuchte das mit meiner Kamera einzufangen, aber ich wirkt auf den Bildern nicht so toll wie in Wirklichkeit. Im Restaurant bestellt Wu Xi eine Variation aus Dingen, die er gerne mag und ich kosten sollte. Da war die beruehmte Wang-Tang-Suppe, wieder suesses Schweinefleisch, Teigtaschen (aehnlich wie Piroggi) und zwei suesse Suppen. Alles war wieder einmal lecker. Wir liefen noch ein wenig durch die Strassen rund um die Uni und versuchten ein paar Bilder der Fassaden zu schiessen.
Freitag ging es wieder frueh zur Uni und ich versuchte mal mehr Kontakt zu den anderen Studenten in der Gruppe zu suchen. Eigentlich war ich hier her gekommen, um einen Aufbau mit einem Studenten Lei Li aufzubauen und zu testen. Es deutete sich in den letzten Tagen schon an, dass Prof. Chen Lei Li das lieber alleine machen lassen will. Meine Angebote Lei Li zu helfen wurden immer freundlich von ihm abgelehnt mit dem Hinweis es waere alles einfach und er macht das allein. Heute wollte ich aber dann doch mal sehen, was schon so steht und uebte ein wenig Druck auf Lei Li aus, mir mal den Aufbau zu zeigen. Unwillich fuehrte er mich ins Labor und dort sah ich auch warum. Im Prinzip war nicht viel aufgebaut und gemessen hatte er wohl schon etwas, aber er wollte es mir nicht zeigen und es waere alles okay. Gut, dachte ich, wer nicht will, der hat schon. Ich erklaerte, dass der Aufbau einfach aussieht, aber die Auswertung tricky werden koennte. Er meinte, dass er verstehe. Man muss dazu wissen, dass Chinesen zu allen erstmal „Ja“ sagen, auch wenn sie nichts verstehen, um das Gesicht nicht zu verlieren. Das hat waehrend meiner Diplomarbeit mal fast einem Chinesen das Leben gekostet, als ich ihn grade noch mit Gewalt davon abhalten konnte 3000 V anzufassen. Der war danach extrem boese mit mir, da ich es gewagt hatte als Diplomstudent einen Dr. zu sagen was zu tun ist. Das sollte man auch wissen, wenn man nach dem Weg fragt. Chinesen wuerden in der Regel nie sagen, dass sie es nicht wissen sondern eher einen Weg zeigen. In dem Fall hier werden wir sehen. Wenn sie nicht die gewueschten Ergebnsse erzielen, weiss ich zumindest wie ich helfen kann. Mein Besuch bei Lei Li im Zimmer der Studenten hatte aber anscheinend eine Intialzuendung verursacht. Ca. 30 min spaeter standen zwei Studenten in meinem Buero und wollten sich gerne mit mir unterhalten. Eigentlich hat sich nur Qin Yan Li mit mir unterhalten und die andere Studentin stand kichernd dahinter. Sie meinte, sie wollte schon zeit Montag bei mir vorbeischauen und fragen zum Vortrag stellen, aber sie hat sich wegen ihres schlechten Englisch nicht getraut. Dabei fiel mir auf, dass sie ein gutes Englisch sprach, aber einfach zu schuechtern war, es zu sprechen. Sie wollte sich auch gerne mit mir unterhalten, damit sie ihr Englisch verbessern kann. Qin Yan Li meinte auch, dass ich waehrend meines Vortrag ein wenig schnell gesprochen hatte und sie deshalb nicht alles verstanden hat. Ich gab den beiden zunaechst einmal meinen Vortrag auf einem USB-Stick mit, damit sie sich noch einmal alles in Ruhe anschauen koennten. Kurze Zeit spaeter kam Qin Yan Li allein mit meinen USB-Stick wieder. Ich zeigte ihr dann ein paar mehr Bilder von Suedafrika und Grahamstown. Waehrend unseres Gespraechs stand auf einmal der angeblich nicht Englisch sprechende Nordkoreaner auf und stellte sich dazu. Es stellte sich heraus, dass er schon etwas Englisch sprechen konnte und sehr interessiert an Suedafrika und den Menschen dort war. So sassen wir drei noch ein wenig zusammen und schauten Bilder von Menschen und Tieren aus Suedafrika.
Abends kam dann Wu Xi wieder in meinem Buero vorbei. Er wollte gerne wieder Abendessen gehen und schlug das Restaurant von meinem ersten Tag in Shanghai vor. Diesmal wollte ich etwas ein scharfes Gericht mit Nudeln probieren. Naja, man sollte hier nicht scharf bestellen. Das war scharf und zwar so, dass ich nach kurzer Zeit die chillis aussortierte. So war es am ende ertraeglich, aber auch eine weitere Lehre. Man muss dazu sagen, dass Wu Xi weniger scharf ist als ich und er auch meinte, dass Shanghai eine nicht so scharfe Kueche hat. Aber das Gericht war scharf, keine Frage.
Samstag ging es zur EXPO 2010 mit Wu Xi und zwei anderen Studenten. Es war der vorletzte Tag und ich habe viele Menschen erwartet. Es waren viele, um genau zu sein ca. 500.000. Es gab keine Chance in irgendein Pavillion mit weniger als 2 h Wartezeit zu kommen. Also beschlossen wir rumzulaufen und einfach die Pavillions von aussen zu bewundern. Am afrikanischen Pavillion jedoch war nicht soviel los. Hier stellten sich die afrikanischen Laender ausser Tunesien, Aegipten, Marocco, Nigeria und Suedafrika vor, die einen eigenen grossen Pavillion hatten, vor. Ist schon interessant wie ich die Ausstellungen jetzt nach 1,5 Jahren Suedafrika sehe. Die Kultur ist irgendwie so vertraut geworden, man fuehlt sich ein wenig wie Zuhause. Danach ging es in Richtung Deutscher Pavillion. Dort war es richtig voll. Man haette ca. 5-6 h warten muessen, um dort reinzukommen. Wu Xi meinte mit deutschem Pass koennte ich vielleicht auch durch den Hintereingang hinein. Am Hintereingang war ebenfalls eine Menschenmenge von vielleicht 30 Leuten, die auf die Tuersteher dort einredeten. Als ich bemerkte, dass dort auch deutsche Tuersteher standen, gingen ich mit meinem Pass direkt auf einen zu, der sich aber direkt umdrehte und wegging. Hinter mit meinte ein Mann ich sollte mal zur Seite gehen. Als er meinen Pass sah, meinte er:“Bist du Deutscher? Willste rein?“ Ich sagte natuerlich ja und da meinte er, na dann komm mal mit. In der Hektik vergass ich zu fragen, ob ich Wu Xi mitnehmen kann und da war ich auch schon drin. Ja, drinne erlebte ich wieder ein Gefuehl von Zuhause. Grade die Videos von verschiedenen Staedten und im speziellen Berlin plus eine Karaoke-Ecke mit deutschen Lieder vermitteln ein Gefuehl von Heimat. Deutschland stellte sich mit dem neuen Hamburger Hafen, Produktion von modernen Materialen, Techniken, der Cooperation mit China und seiner Kultur mit Buechern und Liedern vor. Am Ende stand eine grosse Show mit einem Riesenball, der einen leuchtende Oberflaeche hatte und der von der Decke hing. Die Show war komplett auf die Chinesen ausgelegt. Ein deutscher Moderator, der Englisch sprach und eine chinesische Moderatorin animierten die Zuschauer zu klatschen und zu schreien, damit sich die Kugel hin und her bewegt. Am Ende drehte sich die Kugel im Kreis und zeigt Bilder aus Deutschland vom Mauerfall (der im Publikum fuer Applaus sorgte) bis hin zur WM 2006.
Nach dem deutschen Pavillion gingen wir weiter Richtung asiatischer Teil. Auch hier war nirgendswo wirklich ein reinkommen moeglich. Wir waren im Urbanen Leben Pavillion und im Pavillion der chinesischen Provinzen, in dem mir die beiden chinesischen Studenten und Wu Xi ihre Privinzen zeigten. Am Abend schauten wir uns noch eine Wasser, Licht und Feuer Show an und machten ziemlich viele Bilder von der Expo und der Skyline von Shanghai am Abend. Die Lichtspiele waren beeindruckend. Muede kam ich gegen 21.30 im Hotel an. Es lief grade Bundesliga Wolfsburg-Stuttgart im chinesischen Fernsehn und ich wollte eigentlich auch noch das zweite Samstagspiel sehen, aber ich war einfach zu muede und schlief ein. Ein toller Tag auf der EXPO 2010 in Shanghai.
Liebe Gruesse
Christian
Ich habe mich schon lange nicht mehr ueber diesen Weg bei euch gemeldet. Wie immer ist die Ausrede, dass viel los war und ich keine Zeit gefunden habe, das alles aufzuschreiben. Ich werde das nachholen und im Blog veroeffentlichen.
Doch zunaechst kommt ein China Special. Ich bin seit dem 24.10. in Shanghai an der Fudan Universitaet um ein Setup mit den Kollegen hier aufzubauen. Mein erstes Mal in Asien, wenn man mal die Tuerkei nicht mitzaehlt. Als jemand aus dem “Westen”, faehrt man ja vielleicht mit einigen Vorurteilen nach China. Das Tibet-Problem, die Inhaftierung von politischen Gegner (grade aktuell mit dem Nobelpreissieger Liu Xiaobo) und Meinungsfreiheit ist immer wieder ein Thema in westlichen Medien. Ich muss sagen, ich wusste nicht, was mich erwartet und habe versucht relativ offen in das Land zu gehen. Der Flug mit Singapure Airlines war der beste Langstreckenflug, den ich jemals erlebt habe. Der Service fuer Economie war super, die Flugbegleiter freundlich und das Flugzeug top (Boeing 777). Da koennen sich unsere Freunde von der Lufthansa mit denen ich im Sommer geflogen mal Einiges von abschneiden. Der Empfang von der Dame bei der Imigration war weniger freundlich. Befehle wie schauen sie mich an, Brille ab und schauen sie auf den Bildschrim, ob die Daten korrekt sind, erinnerten mich ein wenig an meine Bundeswehrzeit. Beim Zoll musste man seinen Koffer noch einmal roentgen lassen und ein Schild ueber dem Apparat wiess darauf hin, dass man es lieber ueber sich ergehen lassen sollte, als einen Aufstand zu machen; das waere einfacher. Beim Empfand standen dann unglaublich viele Menschen mit noch mehr Karten mit Namen drauf und warteten auf ankommende Passagiere. Im diesem Moment war ich mir nicht sicher, ob ich Wu Xi, der mich abholen sollte, jemals finden wuerde. Aber nach nur kurzer Zeit sah ich das Schild mit meinem Namen. Leicht ueberschwenglich fing ich sofort mit einem Smalltalk an, als mich Wu Xi ueberraschend nach meinem Ausweis fragte. Zunaechst dachte ich an einen chinesischen Witz. Aber nein, er meinte es ernst und kontrollierte meinen Ausweis fast so gewissenhaft wie die Dame an der Immigration. Aber nach der Kontrolle war dann alles schick.
Wu Xi Englisch ist fuer einen Chinesen gut, doch leider stottert er, was die Verstaendigung wieder schwieriger machte. Mit den Bus ging es Richtung Stadt. Das Wetter war typisch fuer diese Jahreszeit, regnerisch. Auf unserem Weg kamen wir an der Transrapidstrecke zwischen Flughafen und Stadt vorbei (das wollten sie in Bayern ja auch zwischen Airport und Stadt bauen, Herr Staeuble beschreibt das so herrlich in seiner Rede ueber den Muenchner Flughafen, muesst ihr mal bei youtube nachschauen!). Am Unigelaende angekommen ging es erstmal ins Hotel der Uni. Das Zimmer in dem ich untergekommen bin ist super. Es hat den Charme vom Ostdeutschland der 80er Jahre, was ich aber ohne Haeme sage. Es riecht hier auch alles ein wenig wie fruher im Osten. Ich weiss, ich bin kein Ossi, aber ich war oefters zu Besuch und da roch es immer anders, das koennen Ossi bestaetigen (ich sag nur Westpaket). Ich hatte auch keine Vorstellung wie das Bad in China ausgestattet sein wird, aber es ist genau so ausgestattet wie in Deutschland. Ich stellte aber am naechsten Tag fest, dass die Klos eigentlich nur ein Loch im Boden sind und in meinem Zimmer fuer die Touristen extra ein „westliches“ Klo eingerichtet wurde.
Wir waren zu einer Zeit angekommen in der die Mensa fuers Abendbrot noch nicht offen war, so dass wir in ein Restaurant nahe der Uni gingen. Die Speisekarte war ein DinA4 Blatt vorne und hinten mit chinesichen Zeichen beschrieben. Ich haette nicht mal sagen koennen, was die Gerichte und was die Getraenke sind. Aber sie hatten auch eine Karte in der ein paar Gerichte in Englisch uebersetzt waren. Ich bestellte Eierreis mit Barbeque-Schwein. Fuer mich war es dann eher Eierreis mit Speck, aber es schmeckte lecker. Hier wurden auch wieder die unterschiedlichen Essgewohnheiten von Chinesen und Europaern deutlich. Ich kannte das ja schon etwas von chinesischen Wissenschaftlern, die Deutschland besucht hatten. Das es nur Staebchen gibt, kennt man ja vom chinesischen Restaurant. Aber dann wird geschmatzt was das Zeug haelt, was ein Zeichen von Genuss ist. Ausserdem werden Dinge, die man nicht runterschlucken will wieder auf dem Tisch gespuckt. Ohne Wu Xi waere ich aber vielleicht schon am ersten Tag verhungert. Es sprechen unglaublich wenig Menschen hier Englisch. Selbst im Hotel musste Wu Xi fuer mich uebersetzen. An diesem Abend setze ich dann noch einige Emails und Telefongespraeche Richtung Deutschland und Suedafrika ab bevor ich versuchte frueh schlafen zu gehen.
Am naechsten Morgen ging es zunaechst zum ersten chinesischen Fruehstueck. Es gab auch Toast und Marmelade, aber ich wollte mich gleich mal integrieren und griff nach Staebchen, Nudeln mit Gemuese, gefuellten Kloessen, irgendwelches gekochtes Gemuese und irgendwas Suesse mit Cocus (und das, obwohl ich Cocus nicht mag). Die Suppe mit Ei war dann aber zuviel fuer den ersten mutigen Tag. Alles hat gut geschmeckt, aber es war einfach ungewoehnlich es zum Fruehstueck zu essen. Nach dem Fruehstueck musste ich noch etwas fuer meinen Vortrag machen. Leider kam der gastgebende Prof. Chen eine Stunde frueher als erwartet, so dass mein Vortrag noch nicht ganz fertig war. Ich konnte an meinem neuen Arbeitsplatz aber schnell noch eine Abschlussfolie mit Bildern von Suedafrika einfuegen.
Der Vortrag verlief gut auch wenn ich das Gefuehl hatte, dass mich ausser der Prof keiner verstanden hatte. Der Prof. stellte sich nach meinem Vortrag auch nochmal hin und fasste ihn zusammen. Zum Mittag ging es in die Mensa. Wir waren etwas zu spaet und somit war das Essen schon etwas kalt. Hier wird Mittag zwischen 11.30 und 12.30 gegessen und Abendbrot nicht viel spaeter als 17.00. Im Laufe des nachmittags diskutierten wir noch ein wenig ueber Proben, die ich mitgebracht hatte und ich konnte meinen Arbetsplatz richtig einrichten, den ich mit einem Nordkoreaner teile, der kein Englisch spricht. In dieser Zeit mach sich auch ein erstes Unwohlsein breit. Wu Xi holte mich dann zum Abendbrot in der Mensa ab. Ich zahle hier uebrigens alles mit einer Karte auf der 540 Yuan (ca. 60 Euro) geladen sind. Prof. Chen darf mir kein Bargeld geben. Ich hatte eigentlich keinen Appetit, aber ich ging aus Hoeflichkeit mit. Habe dann auch nur ein paar Pilze mit Reis gegessen. Am Abend wurde das Unwohlsein schlimmer und die Nacht spielte sich zwischen Bad und Bett mit Schuettelfrost ab. Da habe ich dann die Quittung fuer meinen Mut beim Essen bekommen. Am naechsten Morgen ass ich dann artig Toast mit Marmelade wie es sich fuer einen Europaeer gehoert, meldete mich per email ab und legte mich wieder ins Bett. Mittags ging ich dann zu Prof. Chen ins Buero, aber ich schien nicht besonders gut ausgesehen zu haben, da er mich gleich wieder in Hotel schickte. Dort blieb ich den ganzen Tag. Abends brachte mir Wu Xi noch chinesische Medizin, die ich nehmen sollte. Die Nacht war wieder etwas bewegt und an Schlafen war weniger zu denken.
Mittwoch Morgen ging es schon besser. Immer noch auf Toast-und-Marmeladen-Diaet konnte ich auch schon wieder mehr essen. Endlich bekam ich auch die entsetzten Gesichter der Chinesen (die ich eigentlich vermeiden wollte) um mich herum, die sich wunderten, wie man sowas wie Toast mit Marmelade zum Fruehstueck essen konnte: Soviel zum Thema Integration. Auch diesmal blieb ich vormittags im Zimmer. Nachmittags ging es aber dann in die Uni. Dort stellte ich fest, dass ich von hier aus auf fast keine Internetseite Zugiff habe. Vom Hotel aus sind schon Seiten wie Facebook, Youtube und auch mein Blog gesperrt, aber in der Uni komm ich nicht mal auf google.de. Offiziell soll damit in der Uni vermieden werden, das die Studenten andere Seiten als fuer ihre Arbeit besuchen. Dafuer muss man sich erst bei der Uni anmelden. Die Alternative ist google.hk. Fuer jemanden, dem sonst das ganze Internet zur Verfuegung steht, ist das ein komisches Gefuehl. Ausserdem soviele Trojaner wie mein Virenprogramm hier in den letzten zwei Tagen gefunden hat, habe ich sonst nicht in einem ganzen Jahr.
Am Abend lud mich Prof. Chen zum Abendbrot ein. Mir war nicht wirklich schon nach essen, aber ablehnen wollte und konnte ich nicht. Prof. Chen bestellte ein ganze Variation von chinesischen Spezialitaeten. Diese wurden in Schuesseln auf den Tisch gestellt und dann konnte man sich selber bedienen. Das waren gegrillte Schrimps, Schwein in einer suessen Sosse, Schein paniert mit Gemuese, irgendein lokales Gemuese ohne englischen Namen und Reis mit Schrimps. Immer wenn ich dachte, das ist aber viel, kam eine neue Schuessel. Dazu gab es heisses Wasser zu trinken. Prof Chen bestellte aber fuer mich ein Bier, da ich ja Deutscher bin und Bier trinke, sagte er. Nach einer etwas hitzigen Diskussion ueber einen Artikel von Wadzi und mir (vermute das Hitzige war typisch Chinesisch, sonst koennte man es auch unfreundlichnennen), den Prof Chen nicht gut fand, ging es hauptsaechlich um Suedafrika. Den Abend verbrachte ich wieder allein auf meinem Zimmer
Die Nacht zum Donnerstag konnte ich endlich mal wieder durchschlafen, so kann es weitergehen! Endlich startete der erste volle Arbeitstag ohne Beschwerden. Zunaechst begann ich diesen Bericht zu schreiben und kuemmerte mich um den zweiten Vortrag, den ich am Montag halten soll. Das Mittagessen liess ich ausfallen und versuchte die Arbeit der letzten Tage aufzuholen. Am Abend holte mich Wu Xi zum Abendbrot ab. Er wollte gerne mit mir in ein Restaurant im nahegelegenden Shopingcenter gehen. Die Fassaden der Haeuser waren hellerleuchtet und in bunten Farben. Ich versuchte das mit meiner Kamera einzufangen, aber ich wirkt auf den Bildern nicht so toll wie in Wirklichkeit. Im Restaurant bestellt Wu Xi eine Variation aus Dingen, die er gerne mag und ich kosten sollte. Da war die beruehmte Wang-Tang-Suppe, wieder suesses Schweinefleisch, Teigtaschen (aehnlich wie Piroggi) und zwei suesse Suppen. Alles war wieder einmal lecker. Wir liefen noch ein wenig durch die Strassen rund um die Uni und versuchten ein paar Bilder der Fassaden zu schiessen.
Freitag ging es wieder frueh zur Uni und ich versuchte mal mehr Kontakt zu den anderen Studenten in der Gruppe zu suchen. Eigentlich war ich hier her gekommen, um einen Aufbau mit einem Studenten Lei Li aufzubauen und zu testen. Es deutete sich in den letzten Tagen schon an, dass Prof. Chen Lei Li das lieber alleine machen lassen will. Meine Angebote Lei Li zu helfen wurden immer freundlich von ihm abgelehnt mit dem Hinweis es waere alles einfach und er macht das allein. Heute wollte ich aber dann doch mal sehen, was schon so steht und uebte ein wenig Druck auf Lei Li aus, mir mal den Aufbau zu zeigen. Unwillich fuehrte er mich ins Labor und dort sah ich auch warum. Im Prinzip war nicht viel aufgebaut und gemessen hatte er wohl schon etwas, aber er wollte es mir nicht zeigen und es waere alles okay. Gut, dachte ich, wer nicht will, der hat schon. Ich erklaerte, dass der Aufbau einfach aussieht, aber die Auswertung tricky werden koennte. Er meinte, dass er verstehe. Man muss dazu wissen, dass Chinesen zu allen erstmal „Ja“ sagen, auch wenn sie nichts verstehen, um das Gesicht nicht zu verlieren. Das hat waehrend meiner Diplomarbeit mal fast einem Chinesen das Leben gekostet, als ich ihn grade noch mit Gewalt davon abhalten konnte 3000 V anzufassen. Der war danach extrem boese mit mir, da ich es gewagt hatte als Diplomstudent einen Dr. zu sagen was zu tun ist. Das sollte man auch wissen, wenn man nach dem Weg fragt. Chinesen wuerden in der Regel nie sagen, dass sie es nicht wissen sondern eher einen Weg zeigen. In dem Fall hier werden wir sehen. Wenn sie nicht die gewueschten Ergebnsse erzielen, weiss ich zumindest wie ich helfen kann. Mein Besuch bei Lei Li im Zimmer der Studenten hatte aber anscheinend eine Intialzuendung verursacht. Ca. 30 min spaeter standen zwei Studenten in meinem Buero und wollten sich gerne mit mir unterhalten. Eigentlich hat sich nur Qin Yan Li mit mir unterhalten und die andere Studentin stand kichernd dahinter. Sie meinte, sie wollte schon zeit Montag bei mir vorbeischauen und fragen zum Vortrag stellen, aber sie hat sich wegen ihres schlechten Englisch nicht getraut. Dabei fiel mir auf, dass sie ein gutes Englisch sprach, aber einfach zu schuechtern war, es zu sprechen. Sie wollte sich auch gerne mit mir unterhalten, damit sie ihr Englisch verbessern kann. Qin Yan Li meinte auch, dass ich waehrend meines Vortrag ein wenig schnell gesprochen hatte und sie deshalb nicht alles verstanden hat. Ich gab den beiden zunaechst einmal meinen Vortrag auf einem USB-Stick mit, damit sie sich noch einmal alles in Ruhe anschauen koennten. Kurze Zeit spaeter kam Qin Yan Li allein mit meinen USB-Stick wieder. Ich zeigte ihr dann ein paar mehr Bilder von Suedafrika und Grahamstown. Waehrend unseres Gespraechs stand auf einmal der angeblich nicht Englisch sprechende Nordkoreaner auf und stellte sich dazu. Es stellte sich heraus, dass er schon etwas Englisch sprechen konnte und sehr interessiert an Suedafrika und den Menschen dort war. So sassen wir drei noch ein wenig zusammen und schauten Bilder von Menschen und Tieren aus Suedafrika.
Abends kam dann Wu Xi wieder in meinem Buero vorbei. Er wollte gerne wieder Abendessen gehen und schlug das Restaurant von meinem ersten Tag in Shanghai vor. Diesmal wollte ich etwas ein scharfes Gericht mit Nudeln probieren. Naja, man sollte hier nicht scharf bestellen. Das war scharf und zwar so, dass ich nach kurzer Zeit die chillis aussortierte. So war es am ende ertraeglich, aber auch eine weitere Lehre. Man muss dazu sagen, dass Wu Xi weniger scharf ist als ich und er auch meinte, dass Shanghai eine nicht so scharfe Kueche hat. Aber das Gericht war scharf, keine Frage.
Samstag ging es zur EXPO 2010 mit Wu Xi und zwei anderen Studenten. Es war der vorletzte Tag und ich habe viele Menschen erwartet. Es waren viele, um genau zu sein ca. 500.000. Es gab keine Chance in irgendein Pavillion mit weniger als 2 h Wartezeit zu kommen. Also beschlossen wir rumzulaufen und einfach die Pavillions von aussen zu bewundern. Am afrikanischen Pavillion jedoch war nicht soviel los. Hier stellten sich die afrikanischen Laender ausser Tunesien, Aegipten, Marocco, Nigeria und Suedafrika vor, die einen eigenen grossen Pavillion hatten, vor. Ist schon interessant wie ich die Ausstellungen jetzt nach 1,5 Jahren Suedafrika sehe. Die Kultur ist irgendwie so vertraut geworden, man fuehlt sich ein wenig wie Zuhause. Danach ging es in Richtung Deutscher Pavillion. Dort war es richtig voll. Man haette ca. 5-6 h warten muessen, um dort reinzukommen. Wu Xi meinte mit deutschem Pass koennte ich vielleicht auch durch den Hintereingang hinein. Am Hintereingang war ebenfalls eine Menschenmenge von vielleicht 30 Leuten, die auf die Tuersteher dort einredeten. Als ich bemerkte, dass dort auch deutsche Tuersteher standen, gingen ich mit meinem Pass direkt auf einen zu, der sich aber direkt umdrehte und wegging. Hinter mit meinte ein Mann ich sollte mal zur Seite gehen. Als er meinen Pass sah, meinte er:“Bist du Deutscher? Willste rein?“ Ich sagte natuerlich ja und da meinte er, na dann komm mal mit. In der Hektik vergass ich zu fragen, ob ich Wu Xi mitnehmen kann und da war ich auch schon drin. Ja, drinne erlebte ich wieder ein Gefuehl von Zuhause. Grade die Videos von verschiedenen Staedten und im speziellen Berlin plus eine Karaoke-Ecke mit deutschen Lieder vermitteln ein Gefuehl von Heimat. Deutschland stellte sich mit dem neuen Hamburger Hafen, Produktion von modernen Materialen, Techniken, der Cooperation mit China und seiner Kultur mit Buechern und Liedern vor. Am Ende stand eine grosse Show mit einem Riesenball, der einen leuchtende Oberflaeche hatte und der von der Decke hing. Die Show war komplett auf die Chinesen ausgelegt. Ein deutscher Moderator, der Englisch sprach und eine chinesische Moderatorin animierten die Zuschauer zu klatschen und zu schreien, damit sich die Kugel hin und her bewegt. Am Ende drehte sich die Kugel im Kreis und zeigt Bilder aus Deutschland vom Mauerfall (der im Publikum fuer Applaus sorgte) bis hin zur WM 2006.
Nach dem deutschen Pavillion gingen wir weiter Richtung asiatischer Teil. Auch hier war nirgendswo wirklich ein reinkommen moeglich. Wir waren im Urbanen Leben Pavillion und im Pavillion der chinesischen Provinzen, in dem mir die beiden chinesischen Studenten und Wu Xi ihre Privinzen zeigten. Am Abend schauten wir uns noch eine Wasser, Licht und Feuer Show an und machten ziemlich viele Bilder von der Expo und der Skyline von Shanghai am Abend. Die Lichtspiele waren beeindruckend. Muede kam ich gegen 21.30 im Hotel an. Es lief grade Bundesliga Wolfsburg-Stuttgart im chinesischen Fernsehn und ich wollte eigentlich auch noch das zweite Samstagspiel sehen, aber ich war einfach zu muede und schlief ein. Ein toller Tag auf der EXPO 2010 in Shanghai.
Liebe Gruesse
Christian
Samstag, 21. August 2010
Wieder in Grahamstown
Hey Leute,
nach der WM ging es fuer mich zusammen mit Wadzi nach Budapest auf eine Konferenz. Die Konferenz war sehr interessant und ich hab eine Menge gelernt. Budapest ist eine sehr schoene Stadt und wir haben die Abende genutzt und uns bei Spaziergaengen die Stadt mal angeschaut. Eugeny, mein frueherer Kollege, war ebenfalls auf dieser Konferenz.
Ich habe dann die Naehe zu Berlin genutzt und bin am Ende der Konferenz noch fuer 2,5 Wochen nach Berlin geflogen. Ich moechte mich entschuldigen, dass ich nicht alle von euch sehen konnte. Solche kurzen Aufenthalte machen es unmoeglich alle zu sehen und am Ende sollte der Aufenthalt auch nicht in Stress ausarten. Es war aber sehr schoen mal wieder in Berlin gewesen zu sein.
Am 05.08 ging es dann wieder zurueck. Am ersten Abend habe ich mich dann auf ein kleines Willkommens-Bier mit Edtih, Henning und spaeter noch Megan und Sanel getroffen. Leider wurden aus einem Bier sechs und der Willkommenskater am naechsten Morgen war perfekt.
In der Uni wartete sofort viel Arbeit auf mich. Der Laser hat in meiner Abwesenheit den Geist aufgegeben, Studenten hatten Fragen ohne Ende und Paper mussten eingereicht oder korrigiert werden. Ausserdem stand ein Besuch bei meinem Doc in P.E. an und eine deutsche Studentin musste vom Flughafen abgeholt werden. Der Doc befand mein Knie fuer geheilt und ordnete Fahrradfahren und Krafttraining an. Also hab ich gleich mal in unserem Uni-Fitnessstudio fuer den Rest des Jahres unterschrieben.
Letzten Sonntag habe ich Henning, Penny, Ali, Ivy, Jacky, Stuart und die Kinder zum Sauerbraten-Essen bei mir eingeladen. Meine Vermieter haben mein Haeuschen in meiner Abwesenheit renoviert: Boden abgezogen, Kueche neue gefliest, Bad neu gefliest und neue Duschkabine und Klo und komplett neu gestrichen. Sieht richtig gut aus und das musste ich gleich mal vorfuehren. War ein schoner Sonntag, wenn mir auch am Ende ein Zahn halb rausgebrochen ist. Ich werde alt, denn ich habe nicht mal auf was Hartes gebissen. Also Montag gleich zum Zahnarzt und meine zweite Wurzelkanalbehandlung innerhalb von vier Monaten. Wenn das nuescht is!
Diese Woche hat sich entschieden, dass ich Ende Oktober fuer zwei Wochen nach Shanghai fliege. Wir haben ein neues Projekt mit einer chinesichen Gruppe genehmigt bekommen und Prof. will mich hinschicken, da die Wissenschaftler in China Physiker sind. Bin schon sehr gespannt, denn ich war noch nicht in China. Insgesamt wird das zweite halbe Jahr 2010 sehr belebt. Zunaechst haben wir Anfang September einen Workshop hier, gefolgt von einem Workshop in Stellenbosch. Danach muss ich in Pretoria rechenschaft abgeben, was wir mit den Gelder des CSIR (die vergeben die Steuergelder an die Wissenschaftler) gemacht haben. Prof. will nicht fahren, also bin ich dabei. Danach ist die lokale Physik-Konferenz, die ich schon abgesagt habe, da Oli und Simone Anfang Oktober nach S.A. kommen und ich mit ihnen 1 woche durch den Krueger-Nationalpark, Richards Bay, Durban und Transkei fahre. Sonst waere ich 3 wochen am Stueck nicht im Department. Ende Oktober geht es wie gesagt nach China und direkt danach auf den NIC Workshop nach Kapstadt. Dann ist auch schon Mitte November und das Jahr fast rum.
Dieses WE ist wieder Intervarsity. Das ist dieser Sportwettbewerb zwischen den vier Unis hier im Eastern Cape, den ich letztes Mal hier in Grahamstown erlebt hatte. Das es diesmal in P.E. ist, ist die Stadt wie ausgestorben. Alle Studenten betrinken sich diesmal in P.E.
Soviel mal wieder von mir!
Liebe Gruesse
Christian
nach der WM ging es fuer mich zusammen mit Wadzi nach Budapest auf eine Konferenz. Die Konferenz war sehr interessant und ich hab eine Menge gelernt. Budapest ist eine sehr schoene Stadt und wir haben die Abende genutzt und uns bei Spaziergaengen die Stadt mal angeschaut. Eugeny, mein frueherer Kollege, war ebenfalls auf dieser Konferenz.
Ich habe dann die Naehe zu Berlin genutzt und bin am Ende der Konferenz noch fuer 2,5 Wochen nach Berlin geflogen. Ich moechte mich entschuldigen, dass ich nicht alle von euch sehen konnte. Solche kurzen Aufenthalte machen es unmoeglich alle zu sehen und am Ende sollte der Aufenthalt auch nicht in Stress ausarten. Es war aber sehr schoen mal wieder in Berlin gewesen zu sein.
Am 05.08 ging es dann wieder zurueck. Am ersten Abend habe ich mich dann auf ein kleines Willkommens-Bier mit Edtih, Henning und spaeter noch Megan und Sanel getroffen. Leider wurden aus einem Bier sechs und der Willkommenskater am naechsten Morgen war perfekt.
In der Uni wartete sofort viel Arbeit auf mich. Der Laser hat in meiner Abwesenheit den Geist aufgegeben, Studenten hatten Fragen ohne Ende und Paper mussten eingereicht oder korrigiert werden. Ausserdem stand ein Besuch bei meinem Doc in P.E. an und eine deutsche Studentin musste vom Flughafen abgeholt werden. Der Doc befand mein Knie fuer geheilt und ordnete Fahrradfahren und Krafttraining an. Also hab ich gleich mal in unserem Uni-Fitnessstudio fuer den Rest des Jahres unterschrieben.
Letzten Sonntag habe ich Henning, Penny, Ali, Ivy, Jacky, Stuart und die Kinder zum Sauerbraten-Essen bei mir eingeladen. Meine Vermieter haben mein Haeuschen in meiner Abwesenheit renoviert: Boden abgezogen, Kueche neue gefliest, Bad neu gefliest und neue Duschkabine und Klo und komplett neu gestrichen. Sieht richtig gut aus und das musste ich gleich mal vorfuehren. War ein schoner Sonntag, wenn mir auch am Ende ein Zahn halb rausgebrochen ist. Ich werde alt, denn ich habe nicht mal auf was Hartes gebissen. Also Montag gleich zum Zahnarzt und meine zweite Wurzelkanalbehandlung innerhalb von vier Monaten. Wenn das nuescht is!
Diese Woche hat sich entschieden, dass ich Ende Oktober fuer zwei Wochen nach Shanghai fliege. Wir haben ein neues Projekt mit einer chinesichen Gruppe genehmigt bekommen und Prof. will mich hinschicken, da die Wissenschaftler in China Physiker sind. Bin schon sehr gespannt, denn ich war noch nicht in China. Insgesamt wird das zweite halbe Jahr 2010 sehr belebt. Zunaechst haben wir Anfang September einen Workshop hier, gefolgt von einem Workshop in Stellenbosch. Danach muss ich in Pretoria rechenschaft abgeben, was wir mit den Gelder des CSIR (die vergeben die Steuergelder an die Wissenschaftler) gemacht haben. Prof. will nicht fahren, also bin ich dabei. Danach ist die lokale Physik-Konferenz, die ich schon abgesagt habe, da Oli und Simone Anfang Oktober nach S.A. kommen und ich mit ihnen 1 woche durch den Krueger-Nationalpark, Richards Bay, Durban und Transkei fahre. Sonst waere ich 3 wochen am Stueck nicht im Department. Ende Oktober geht es wie gesagt nach China und direkt danach auf den NIC Workshop nach Kapstadt. Dann ist auch schon Mitte November und das Jahr fast rum.
Dieses WE ist wieder Intervarsity. Das ist dieser Sportwettbewerb zwischen den vier Unis hier im Eastern Cape, den ich letztes Mal hier in Grahamstown erlebt hatte. Das es diesmal in P.E. ist, ist die Stadt wie ausgestorben. Alle Studenten betrinken sich diesmal in P.E.
Soviel mal wieder von mir!
Liebe Gruesse
Christian
Sonntag, 11. Juli 2010
Deutschland-Argentinien
Hey Leute,
muede, aber froehlich kamen wir am Montag vom England-Spiel nach Grahamstown zurueck. Die ganze Fahrt (6 h) ging es in unseren Gespraechen hauptsaechlich um Fussball und was noch alles moeglich sein koennte. Wir machten am Lake Garip halt, da dort Henning die Proben (Fische) fuer seine Doktorarbeit gesammelt hatte. Der Lake Garip war urspruenglich ein Fluss und wurde Anfang der 70er Jahre aufgestaut. Danach fingen biologen an zu untersuchen, welchen Einfluss das auf die Population der einheimischen Fische und des fremd eingebrachten Karpfen hatte. 1977 endete dieses Projekt und Hennings Aufgabe war es 2007 wieder mit dem Proben sammeln zu beginnen und heraus zu finden, was sich in der Zwischenzeit getan hatte.
Am Fluss Garip auf der anderen Seite der Staumauer
Direkt nach der Ankunft am Nachmittag ging ich noch einmal ins Buero um meine Mails zu checken und zu schauen, ob noch allles funktioniert. Beim obligatorischen Tee traf ich meine Chefin und erzaehlte sogleich das erlebte. Sie fragte mich, wann ich dann zum Argentinien-spiel fahren wuerde. Ich meinte, dass ich keine Karten haette, es sicher keine mehr gaebe und ich auch nicht wuesste, wie ich nach Kapstadt (900 km) kommen sollte. sie meinte, da findet sich sicher ein Weg und ich sollte auf jeden Fall fahren. Nach diesem Gespraech setze ich mich an den Rechner und konnte nicht widerstehen auf die FiFa-homepage zu gehen und nach Karten zu schauen. Dort waren auf einmal Karten fuer alle Kategorien zu bekommen. Nachdem ich getestet hatte, ob man die wirklich buchen konnte, rief ich Henning an und fragte, ob er dabei ist, wenn ich Tickets kaufe. Er meinte, er waere fertig und muede und will nicht mehr. Ich legte auf und starrte auf den Bildschirm. Da kam meine Kollegin Wadzi (fussballverrueckt) rein und ich erzaehlte ich kurz die Geschichte. Sie meinte, kauf, die chance kommt nie wieder. Alles andere klaert sich spaeter. Also kaufe ich 2 Karten und rief Henning wieder an und meinte:"Kein Druck jetzt, aber ich hab Karten und wenn du willst, kannste mitkommen." Henning war an diesem Abend zu keiner Entscheidung faehig.
Aber im Laufe der naechsten Tage entschloss Henning sich mitzukommen und so ging es am Freitag nachmittag Richtung P.E. Wir hatten ja auch noch Karten fuer Brasilien gegen Niederlande und wollten zunaechst Freitag nachhmittag dort hin. Es war ein spannendes Spiel selbst fuer einen neutralen Zuschauer und ich erwischte mich dabei (zum ersten Mal in meiner Fussballkarriere) fuer Holland zu sein. Am Ende gewannen die Niederlaender und wir konnten nur lurz fuer die Siegesfeier bleiben, da unser Zeitplan eng war. Fuer uns ging es direkt in das 200 km entfernte Stormsriver, wo wir zunaechst Ghana-Uruguay in einem Hotel sehen wollten und uns dann noch fuer ein paar Stunden schlafen legen wollten.
In einem Public Taxi auf dem Weg ins Stadion zum Spiel Braslien-Niederlande
Dort trafen wir Nani, die Quoten-Brasilianerin von Grahamstown.
In Stromriver kamen wir direkt zum Anstoss des Spiels an. Durch Zufall waren dort auch gerade Kollegen von Henning auf einem Feldtrip im Tsitsikamma Nationalpark mit denen wir uns in dem einzigen Hotel verabredeten. Beim einem Burger mit Bier schauten wir dann das dramatische Spiel und waren am Ende recht enttaeuscht, das Ghana ausgeschieden war. Fuer uns ging es in ein kleines B&B die Strasse runter, um noch ein paar Stunden Schlaf zu bekommen. Nach 4 h war jedoch die Nacht um 5 Uhr rum und nach einem halben Becher Kaffee ging es weiter Richtung Kapstadt. die Garden Route ist eine traumhafte Strecke und jeder, der hier runterkommt, muss das mal gesehen haben. Wir koennte das alles nicht so richtig geniessen, da wir gegen 12.00 Uhr in Kapstadt sein wollten. Gesagt getan, die deutsche Praezision hatte sich mal wieder durchgesetzt und wir kamen puenktlich in Kapstadt an bei Sven und Flunki an. Ebenfalls zwei deutsche, die fuer das Deutschland-Serbien uns besucht hatten. Nach einem kurzen Bruch ging es auf zum Bahnhof vor der Tuer. Leider waren die Zuege brechend voll, so dass wir uns entschlossen hoch zur Strasse zu laufen und nach einem Public Taxi Ausschau zu halten. Das fanden wir auch sogleich und los ging die gefaehrliche Fahrt.
Eigentlich wollten wir mit dem Zug von Observatory zum Stadion, aber der war voll.
Public Taxi in Kapstadt heisst auch immer ein wenig um sein Leben fuerchten. Wir waren lauter Deutschland-Fans bis auf einen Schweizer, der sich als Argentinier verkleidet hatte (siehe Bild). Als wir kurz vor unserem Ziel in einen riesigen Stau geraten, reisst dieser das Fenster auf, haengt sich aus dem Fenster und ruft:"Hilfe, die Deutschen haben mich als Geisel genommen, holt mich hier raus." In unserem Public Taxi und allen Autos um uns herum brach schallendes Gelaechter aus. Nach 10 min im Stau ohne Bewegung entschlossen wir uns den Rest zu laufen.
Also ab ins Public Taxi. Das war ne aufregende und lebensgefaehrliche Fahrt!
Zwischen der Innenstadt und dem Stadion (ca. 1.5 km) war einen langer Fanwalk (Fan Fussgaengerpassage) abgesperrt worden.Hier liefen aber nicht nur Leute mir Karten lang sondern jeder, der die Stimmung miterleben wollte. Da gab es zig Buden mit Essen und Getraenken, Musikgruppen, die fuer Stimmung sorgten und tausende Menschen, die den Fanwalk zu einem Erlebnis machten. Wir kamen ohne Probleme ins Stadion und als wir unsere Plaetze erreichten, waren wir begeistert von Stimmung und sicht. Diesmal sollten wir auch noch ueber dem deutschen Block sitzen. Zum Spiel brauche ich wieder nicht viel zu sagen. Es war ein Traum bei solch einem Spiel live dabei gewesen zu sein und ich weiss, dass das eine Geschichte ist, die ich noch in 40 Jahrem jeden erzaehlen werde, egal, ob er oder sie sie hoeren will oder nicht.
Der Rest dann zu Fuss auf dem Fanwalk. Im Hintergrund ist das Stadion.
Henning und ich vor dem Eingang. Kein Wunder, dass die Argentinier Angst hatten! Der Berlin-Schal von Henning ist uebrigens der Grund, warum Arne so eine gute WM gespielt hat.
Die Sicht von unseren Plaetzen
Mesut, Basti und Poldi beim Freistoss, Merte mach sich auf Richtung Tor.
Jubel nach dem Tor von Arne
Grenzenloser Jubel der deutschen Fans nach dem Spiel!
Nach dem Spiel ging es noch in einen nahegelegenen Pub. Dort schauten wir uns noch das Spiel Spanien gegen Paraguay an, aber irgend war das wieder nicht mehr so sehr von Bedeutung. Wir hatten Glueck, dass Svens Freundin Kanya gegen 0.00 Uhr auftauchte und uns nach Hause fuhr. Totmuede fielen wir ins Bett und erst nach 10 h wachten Henning und ich aus unserem Koma wieder auf. Die letzten Tage und Wochen hatten ihre Spuren hinterlassen. Nach einem ausgiebigen Fruehstueck ging es Richtung Heimat. Diesmal fuhren wir das Stueck in einem Rutsch durch. Ein kleiner Halt bei Ocean Basket (Fisch und frische Austern) in Knysna sollte uns noch Kraft geben. Sonntag Abend um 23.00 Uhr war ein langes und unvergessliches WE zuende.
Am Ende wurde Deutschland Dritter. Ich habe auch noch versucht Karten fuer das Halbfinale zu bekommen, aber die Internetverbindung der Uni brach in dieser Woche zusammen. Am Ende sahen wir Halbfinale und Finale in der Ratte. Tolle WM und ich bin uebergluecklich so nah dabeigewesen zu sein.
Liebe Gruesse
Christian
Die Weg zum Stadion. Grandiose Stimmung!
Die argentinische Nationalhymne, achtet auf die Fans!
muede, aber froehlich kamen wir am Montag vom England-Spiel nach Grahamstown zurueck. Die ganze Fahrt (6 h) ging es in unseren Gespraechen hauptsaechlich um Fussball und was noch alles moeglich sein koennte. Wir machten am Lake Garip halt, da dort Henning die Proben (Fische) fuer seine Doktorarbeit gesammelt hatte. Der Lake Garip war urspruenglich ein Fluss und wurde Anfang der 70er Jahre aufgestaut. Danach fingen biologen an zu untersuchen, welchen Einfluss das auf die Population der einheimischen Fische und des fremd eingebrachten Karpfen hatte. 1977 endete dieses Projekt und Hennings Aufgabe war es 2007 wieder mit dem Proben sammeln zu beginnen und heraus zu finden, was sich in der Zwischenzeit getan hatte.
Am Fluss Garip auf der anderen Seite der StaumauerDirekt nach der Ankunft am Nachmittag ging ich noch einmal ins Buero um meine Mails zu checken und zu schauen, ob noch allles funktioniert. Beim obligatorischen Tee traf ich meine Chefin und erzaehlte sogleich das erlebte. Sie fragte mich, wann ich dann zum Argentinien-spiel fahren wuerde. Ich meinte, dass ich keine Karten haette, es sicher keine mehr gaebe und ich auch nicht wuesste, wie ich nach Kapstadt (900 km) kommen sollte. sie meinte, da findet sich sicher ein Weg und ich sollte auf jeden Fall fahren. Nach diesem Gespraech setze ich mich an den Rechner und konnte nicht widerstehen auf die FiFa-homepage zu gehen und nach Karten zu schauen. Dort waren auf einmal Karten fuer alle Kategorien zu bekommen. Nachdem ich getestet hatte, ob man die wirklich buchen konnte, rief ich Henning an und fragte, ob er dabei ist, wenn ich Tickets kaufe. Er meinte, er waere fertig und muede und will nicht mehr. Ich legte auf und starrte auf den Bildschirm. Da kam meine Kollegin Wadzi (fussballverrueckt) rein und ich erzaehlte ich kurz die Geschichte. Sie meinte, kauf, die chance kommt nie wieder. Alles andere klaert sich spaeter. Also kaufe ich 2 Karten und rief Henning wieder an und meinte:"Kein Druck jetzt, aber ich hab Karten und wenn du willst, kannste mitkommen." Henning war an diesem Abend zu keiner Entscheidung faehig.
Aber im Laufe der naechsten Tage entschloss Henning sich mitzukommen und so ging es am Freitag nachmittag Richtung P.E. Wir hatten ja auch noch Karten fuer Brasilien gegen Niederlande und wollten zunaechst Freitag nachhmittag dort hin. Es war ein spannendes Spiel selbst fuer einen neutralen Zuschauer und ich erwischte mich dabei (zum ersten Mal in meiner Fussballkarriere) fuer Holland zu sein. Am Ende gewannen die Niederlaender und wir konnten nur lurz fuer die Siegesfeier bleiben, da unser Zeitplan eng war. Fuer uns ging es direkt in das 200 km entfernte Stormsriver, wo wir zunaechst Ghana-Uruguay in einem Hotel sehen wollten und uns dann noch fuer ein paar Stunden schlafen legen wollten.
In einem Public Taxi auf dem Weg ins Stadion zum Spiel Braslien-Niederlande
Dort trafen wir Nani, die Quoten-Brasilianerin von Grahamstown.In Stromriver kamen wir direkt zum Anstoss des Spiels an. Durch Zufall waren dort auch gerade Kollegen von Henning auf einem Feldtrip im Tsitsikamma Nationalpark mit denen wir uns in dem einzigen Hotel verabredeten. Beim einem Burger mit Bier schauten wir dann das dramatische Spiel und waren am Ende recht enttaeuscht, das Ghana ausgeschieden war. Fuer uns ging es in ein kleines B&B die Strasse runter, um noch ein paar Stunden Schlaf zu bekommen. Nach 4 h war jedoch die Nacht um 5 Uhr rum und nach einem halben Becher Kaffee ging es weiter Richtung Kapstadt. die Garden Route ist eine traumhafte Strecke und jeder, der hier runterkommt, muss das mal gesehen haben. Wir koennte das alles nicht so richtig geniessen, da wir gegen 12.00 Uhr in Kapstadt sein wollten. Gesagt getan, die deutsche Praezision hatte sich mal wieder durchgesetzt und wir kamen puenktlich in Kapstadt an bei Sven und Flunki an. Ebenfalls zwei deutsche, die fuer das Deutschland-Serbien uns besucht hatten. Nach einem kurzen Bruch ging es auf zum Bahnhof vor der Tuer. Leider waren die Zuege brechend voll, so dass wir uns entschlossen hoch zur Strasse zu laufen und nach einem Public Taxi Ausschau zu halten. Das fanden wir auch sogleich und los ging die gefaehrliche Fahrt.
Eigentlich wollten wir mit dem Zug von Observatory zum Stadion, aber der war voll.Public Taxi in Kapstadt heisst auch immer ein wenig um sein Leben fuerchten. Wir waren lauter Deutschland-Fans bis auf einen Schweizer, der sich als Argentinier verkleidet hatte (siehe Bild). Als wir kurz vor unserem Ziel in einen riesigen Stau geraten, reisst dieser das Fenster auf, haengt sich aus dem Fenster und ruft:"Hilfe, die Deutschen haben mich als Geisel genommen, holt mich hier raus." In unserem Public Taxi und allen Autos um uns herum brach schallendes Gelaechter aus. Nach 10 min im Stau ohne Bewegung entschlossen wir uns den Rest zu laufen.
Also ab ins Public Taxi. Das war ne aufregende und lebensgefaehrliche Fahrt!Zwischen der Innenstadt und dem Stadion (ca. 1.5 km) war einen langer Fanwalk (Fan Fussgaengerpassage) abgesperrt worden.Hier liefen aber nicht nur Leute mir Karten lang sondern jeder, der die Stimmung miterleben wollte. Da gab es zig Buden mit Essen und Getraenken, Musikgruppen, die fuer Stimmung sorgten und tausende Menschen, die den Fanwalk zu einem Erlebnis machten. Wir kamen ohne Probleme ins Stadion und als wir unsere Plaetze erreichten, waren wir begeistert von Stimmung und sicht. Diesmal sollten wir auch noch ueber dem deutschen Block sitzen. Zum Spiel brauche ich wieder nicht viel zu sagen. Es war ein Traum bei solch einem Spiel live dabei gewesen zu sein und ich weiss, dass das eine Geschichte ist, die ich noch in 40 Jahrem jeden erzaehlen werde, egal, ob er oder sie sie hoeren will oder nicht.
Der Rest dann zu Fuss auf dem Fanwalk. Im Hintergrund ist das Stadion.
Henning und ich vor dem Eingang. Kein Wunder, dass die Argentinier Angst hatten! Der Berlin-Schal von Henning ist uebrigens der Grund, warum Arne so eine gute WM gespielt hat.
Die Sicht von unseren Plaetzen
Mesut, Basti und Poldi beim Freistoss, Merte mach sich auf Richtung Tor.
Jubel nach dem Tor von Arne
Grenzenloser Jubel der deutschen Fans nach dem Spiel!Nach dem Spiel ging es noch in einen nahegelegenen Pub. Dort schauten wir uns noch das Spiel Spanien gegen Paraguay an, aber irgend war das wieder nicht mehr so sehr von Bedeutung. Wir hatten Glueck, dass Svens Freundin Kanya gegen 0.00 Uhr auftauchte und uns nach Hause fuhr. Totmuede fielen wir ins Bett und erst nach 10 h wachten Henning und ich aus unserem Koma wieder auf. Die letzten Tage und Wochen hatten ihre Spuren hinterlassen. Nach einem ausgiebigen Fruehstueck ging es Richtung Heimat. Diesmal fuhren wir das Stueck in einem Rutsch durch. Ein kleiner Halt bei Ocean Basket (Fisch und frische Austern) in Knysna sollte uns noch Kraft geben. Sonntag Abend um 23.00 Uhr war ein langes und unvergessliches WE zuende.
Am Ende wurde Deutschland Dritter. Ich habe auch noch versucht Karten fuer das Halbfinale zu bekommen, aber die Internetverbindung der Uni brach in dieser Woche zusammen. Am Ende sahen wir Halbfinale und Finale in der Ratte. Tolle WM und ich bin uebergluecklich so nah dabeigewesen zu sein.
Liebe Gruesse
Christian
Die Weg zum Stadion. Grandiose Stimmung!
Die argentinische Nationalhymne, achtet auf die Fans!
Donnerstag, 1. Juli 2010
Deutschland-England
Hey Leute,
am 26.06. waren wir noch beim Spiel Uruguay gegen Suedkorea. Wir haben noch Susan, eine Halbsuedkoeranerin und Craig ein Suedafrikaner mitgenommen. Das Spiel war sehr unterhaltsam, leider fing es am Ende fuerchterlich zu regnen an. Wir als Deutsche waren das ja gewohnt, aber die Suedafrikaner fluechteten in Massen auf andere Plaetze oder auf die andere Seite des Stadions, so dass wir uns unserem Block am Ende fast allein waren.
Susan, Henning und ich vor dem Stadion.
Fuer das Achtelfinalspiel gegen England ging es nach Bloemfontein. Dafuer mussten Henning und ich 600 km Richtung Norden. Um rechtzeitig um 16.00 Uhr im Stadion zu sein, mussten wir um 6 Uhr morgens los. Wir hatten uns grade noch eine Unterkunft 120 km suedlich von Bloem organisieren koennen, da in Bloem ca. 6000 Betten vorhanden sind, bei allein 25.ooo englischen Fans. Die Strecke sah ueberwiegend so aus wie auf dem Foto. Zwischendurch machten wir an einer Tankstelle fuer ein kleines Fruehstueck Pause und dort kippte ich mir gleich mal den ganzen Kaffee ueber mein Deutschland-Trikot. Also ab auf die Tankstellen Toilette und auswaschen. Danach hing ich das Trikot erstmal fuer ne Weile waehrend der Fahrt aus dem Fenster. Das ging ja gut los.
Wir kamen dann rechtzeitig in unserer Unterkunft an und hatten Zeit fuer ein schnelles Mittagessen und das Aufladen meines Fotoapparat-Akkus, der fast leer war. Dann waren noch 120 km vor uns. In Bloemfontein ankommen, kauften wir erst einmal eine deutsche Flagge bei einem Strassenhaendler und fanden uns auf einem Park&Ride Parkplatz ein. Dort wurden wir wie VIPs behandelt. Ein Parkwaechter kam sofort zu uns und gab und ein oranges Armbaendchen fuer unseren Parkplatz, damit die dummen Touristen spaeter nicht in den falschen Bus einsteigen. Dann ging es in einen Kleinbus und wir wurden bis direkt vor den Eingang gefahren. Erneut ein grosses Lob an die Suedafrikaner! Besser kann man das einfach nicht oranisieren.
So sieht es groesstenteils auf dem Weg von Grahamstown nach Blomfontein aus.
Im Stadion angekommen, hatten wir noch etwas Zeit und begaben uns in eine der kleinen Biergaerten im Stadion. Die Englaender waren eindeutig in der Ueberzahl und sangen ein Lied nach dem anderen. Ein paar waren auch gegen die deutschen Fans gerichtet, aber immer in einer lustigen Art und Weise, so dass man eher mitlachen musste, als das man sich angegriffen fuehlte. Ich muss an dieser Stelle eine Lanze fuer die englischen Fans brechen. Das waren die besten und fairsten Fans, die ich auf dieser Weltmeisterschaft getroffen habe und sie verdienen eindeutig ein besseres Team.
Kurz vor dem Spiel im Stadion. In das Tor schossen Klose und Poldi ihre Tore.
Das obligatorische Bier vor dem Spiel mit Fans beider Lager.
Auf unseren Plaetzen umzingelt von englischen Fans.
Die englische Fankurve.
Grenzenlose Freude nach dem Spiel.
Der Ausgang des Spiels ist bekannt und es war ein grandioses Fest. Das sind so Momente, die man im Leben nicht mehr vergisst und sicher noch seinen Enkeln erzaehlt.
Das zweite Spiel des Abends schauten wir uns dann noch in einem Pub in der Naehe des Stadions an. Aber irgendwie war das Interesse daran weg. Das Erlebte ueberschattete alles und wir unterhielten uns mehr mit einem englischen Fan als das wir das spiel verfolgten. Am Ende sangen deutsche und englischen Fans gemeinsam die deutsche und englischen Nationalhymne. Fussball kann wirklich Nationen verbinden, wenn auch nur fuer einen Tag.
In der Nacht ging es dann zurueck zu unserem Quartier. Um 1 Uhr fielen wir dann totmuede ins Bett. Wir mussten leider schon wieder um 8.30 Uhr raus, da wir spaetestens um 9.00 Uhr beim Fruehstueck sein mussten. Die Besitzer des B&B wollten noch auf dem Markt einlaufen gehen.
Der Rueckweg verlief problemlos und Montag nachmittag war ein langer und schoener Trip zuende. In diesem Moment dachten wir noch es waere der Hoehepunkt der WM gewesen, aber der Wintertraum ging weiter!
Die englische Nationalhymne vor dem Spiel.
Die deutschen Fans feiern nach dem Spiel ausgelassen.
Liebe Gruesse
Christian
am 26.06. waren wir noch beim Spiel Uruguay gegen Suedkorea. Wir haben noch Susan, eine Halbsuedkoeranerin und Craig ein Suedafrikaner mitgenommen. Das Spiel war sehr unterhaltsam, leider fing es am Ende fuerchterlich zu regnen an. Wir als Deutsche waren das ja gewohnt, aber die Suedafrikaner fluechteten in Massen auf andere Plaetze oder auf die andere Seite des Stadions, so dass wir uns unserem Block am Ende fast allein waren.
Fuer das Achtelfinalspiel gegen England ging es nach Bloemfontein. Dafuer mussten Henning und ich 600 km Richtung Norden. Um rechtzeitig um 16.00 Uhr im Stadion zu sein, mussten wir um 6 Uhr morgens los. Wir hatten uns grade noch eine Unterkunft 120 km suedlich von Bloem organisieren koennen, da in Bloem ca. 6000 Betten vorhanden sind, bei allein 25.ooo englischen Fans. Die Strecke sah ueberwiegend so aus wie auf dem Foto. Zwischendurch machten wir an einer Tankstelle fuer ein kleines Fruehstueck Pause und dort kippte ich mir gleich mal den ganzen Kaffee ueber mein Deutschland-Trikot. Also ab auf die Tankstellen Toilette und auswaschen. Danach hing ich das Trikot erstmal fuer ne Weile waehrend der Fahrt aus dem Fenster. Das ging ja gut los.
Wir kamen dann rechtzeitig in unserer Unterkunft an und hatten Zeit fuer ein schnelles Mittagessen und das Aufladen meines Fotoapparat-Akkus, der fast leer war. Dann waren noch 120 km vor uns. In Bloemfontein ankommen, kauften wir erst einmal eine deutsche Flagge bei einem Strassenhaendler und fanden uns auf einem Park&Ride Parkplatz ein. Dort wurden wir wie VIPs behandelt. Ein Parkwaechter kam sofort zu uns und gab und ein oranges Armbaendchen fuer unseren Parkplatz, damit die dummen Touristen spaeter nicht in den falschen Bus einsteigen. Dann ging es in einen Kleinbus und wir wurden bis direkt vor den Eingang gefahren. Erneut ein grosses Lob an die Suedafrikaner! Besser kann man das einfach nicht oranisieren.
So sieht es groesstenteils auf dem Weg von Grahamstown nach Blomfontein aus.Im Stadion angekommen, hatten wir noch etwas Zeit und begaben uns in eine der kleinen Biergaerten im Stadion. Die Englaender waren eindeutig in der Ueberzahl und sangen ein Lied nach dem anderen. Ein paar waren auch gegen die deutschen Fans gerichtet, aber immer in einer lustigen Art und Weise, so dass man eher mitlachen musste, als das man sich angegriffen fuehlte. Ich muss an dieser Stelle eine Lanze fuer die englischen Fans brechen. Das waren die besten und fairsten Fans, die ich auf dieser Weltmeisterschaft getroffen habe und sie verdienen eindeutig ein besseres Team.
Kurz vor dem Spiel im Stadion. In das Tor schossen Klose und Poldi ihre Tore.
Das obligatorische Bier vor dem Spiel mit Fans beider Lager.
Auf unseren Plaetzen umzingelt von englischen Fans.
Die englische Fankurve.
Grenzenlose Freude nach dem Spiel.Der Ausgang des Spiels ist bekannt und es war ein grandioses Fest. Das sind so Momente, die man im Leben nicht mehr vergisst und sicher noch seinen Enkeln erzaehlt.
Das zweite Spiel des Abends schauten wir uns dann noch in einem Pub in der Naehe des Stadions an. Aber irgendwie war das Interesse daran weg. Das Erlebte ueberschattete alles und wir unterhielten uns mehr mit einem englischen Fan als das wir das spiel verfolgten. Am Ende sangen deutsche und englischen Fans gemeinsam die deutsche und englischen Nationalhymne. Fussball kann wirklich Nationen verbinden, wenn auch nur fuer einen Tag.
In der Nacht ging es dann zurueck zu unserem Quartier. Um 1 Uhr fielen wir dann totmuede ins Bett. Wir mussten leider schon wieder um 8.30 Uhr raus, da wir spaetestens um 9.00 Uhr beim Fruehstueck sein mussten. Die Besitzer des B&B wollten noch auf dem Markt einlaufen gehen.
Der Rueckweg verlief problemlos und Montag nachmittag war ein langer und schoener Trip zuende. In diesem Moment dachten wir noch es waere der Hoehepunkt der WM gewesen, aber der Wintertraum ging weiter!
Die englische Nationalhymne vor dem Spiel.
Die deutschen Fans feiern nach dem Spiel ausgelassen.
Liebe Gruesse
Christian
Samstag, 19. Juni 2010
Deutschland-Serbien
Hey Leute,
wie die meisten von euch wissen, ging es gestern ins Stadion von P.E. fuer das Spiel Deutschland-Serbien. Das war mein erstes Deutschland-Laenderspiel live ueberhaupt und dann gleich bei einer WM. Die Aufregung war gross, die Vorbereitung penibel. Das neue Trikot frisch gewaschen und in der endlich wiedergekehrten Sonne getrocknet. Diesmal ging es mit einem gemieteten Bus runter nach P.E. Ali, Henning, Ivy und ich haben uns mit Leuten aus meinem Department zusammen getan und einen Bus mit Fahrer gemietet. Und los ging der Road Trip. Es gab das erste Bier um 10.00 Uhr und Henning und ich waren kraefitg dabei unseren Mitstreitern aus Simbabwe, Kenia und Suedafrika deutsches Stadionliedgut beizubringen, damit sie kraeftig mitsingen koennen. Das Stadion war dann voll mit deutschen Fans oder Suedafrikanern, die Deutschland unterstuetzten. Man muss dazu sagen, dass in P.E. das VW-Werk von Suedafrika ist. Die Stimmung war fantastisch. Ueberall Schwarz-Rot-Gold, die Leute waren entspannt, lustig und in Feierlaune. Im Stadion haben wir noch Flunki, Sven und zwei Freunde von Ali aus Nuernberg getroffen. Die sind von Kapstadt aus fuer das Spiel nach P.E. gefahren und verbringen das WE hier in Grahamstown.
Zum Spiel muss ich nicht viel sagen. Der Schiedrichter war zu kleinlich und hat sich hoffentlich am Abend das England-Spiel angesehen und gelernt. Ein Schiedsrichter ist dafuer da ein Spiel zu leiten und nicht dafuer da sich in Szene zu setzen. Leider hat der Sportskamerad aus Spanien das nicht so ganz verinnerlicht. Aber ich gebe dem Schiedrichter nicht die Schuld fuer die Niederlage. Zunaechst muss man einen Elfmeter im Spiel verwandeln. Den Moment als der Pfiff zum Elfmeter kam und das ganze Stadion feierte, war atemberaubend. Aber wir haben uns zu frueh gefreut und ein Lukas Podolski sich anscheinend sicherer gefuehlt als er war. Dann muss ein Miro Klose wissen, dass er nach der ersten gelben Karte bei diesem Schiedsrichter einfach vorsichtig sein muss, denn der Gute hat fast 100 Laenderspiele. Letztendlich hatte die deutsche Mannschaft genug Chancen das Spiel zu gewinnen oder zumindest unendschieden zu spielen. Das Manko der Chancenverwertung zog sich durch die ganze Vorbereitung und selbst im Austalien-Spiel wurden viel Chance vergeben. In solch einem Spiel faellt das nur nicht so auf. Gegen Ghana heisst es nun alles oder nichts, aber ich habe keine Zweifel, dass die deutsche Mannschaft das schafft.
Hier noch ein paar Fotos und zwei Videos aus dem Stadion:
Die verrueckten Deutschen kurz vor der Abfahrt aus Grahmstown
Ali und ich auf dem Weg nach P.E.
Auch die Kenianerin Ivy unterstuetzt Deutschland
Unsere Truppe vor dem Stadion
Vor dem Stadion noch einmal
Sami beim Aufwaermen
Unser Capitano
Das Team kurz vor dem Spiel beim Aufwaermen (R.Kelly gibt den Ton an)
Die Stimmung kurz vor dem Spiel
Liebe Gruesse und bis bald
Christian
wie die meisten von euch wissen, ging es gestern ins Stadion von P.E. fuer das Spiel Deutschland-Serbien. Das war mein erstes Deutschland-Laenderspiel live ueberhaupt und dann gleich bei einer WM. Die Aufregung war gross, die Vorbereitung penibel. Das neue Trikot frisch gewaschen und in der endlich wiedergekehrten Sonne getrocknet. Diesmal ging es mit einem gemieteten Bus runter nach P.E. Ali, Henning, Ivy und ich haben uns mit Leuten aus meinem Department zusammen getan und einen Bus mit Fahrer gemietet. Und los ging der Road Trip. Es gab das erste Bier um 10.00 Uhr und Henning und ich waren kraefitg dabei unseren Mitstreitern aus Simbabwe, Kenia und Suedafrika deutsches Stadionliedgut beizubringen, damit sie kraeftig mitsingen koennen. Das Stadion war dann voll mit deutschen Fans oder Suedafrikanern, die Deutschland unterstuetzten. Man muss dazu sagen, dass in P.E. das VW-Werk von Suedafrika ist. Die Stimmung war fantastisch. Ueberall Schwarz-Rot-Gold, die Leute waren entspannt, lustig und in Feierlaune. Im Stadion haben wir noch Flunki, Sven und zwei Freunde von Ali aus Nuernberg getroffen. Die sind von Kapstadt aus fuer das Spiel nach P.E. gefahren und verbringen das WE hier in Grahamstown.
Zum Spiel muss ich nicht viel sagen. Der Schiedrichter war zu kleinlich und hat sich hoffentlich am Abend das England-Spiel angesehen und gelernt. Ein Schiedsrichter ist dafuer da ein Spiel zu leiten und nicht dafuer da sich in Szene zu setzen. Leider hat der Sportskamerad aus Spanien das nicht so ganz verinnerlicht. Aber ich gebe dem Schiedrichter nicht die Schuld fuer die Niederlage. Zunaechst muss man einen Elfmeter im Spiel verwandeln. Den Moment als der Pfiff zum Elfmeter kam und das ganze Stadion feierte, war atemberaubend. Aber wir haben uns zu frueh gefreut und ein Lukas Podolski sich anscheinend sicherer gefuehlt als er war. Dann muss ein Miro Klose wissen, dass er nach der ersten gelben Karte bei diesem Schiedsrichter einfach vorsichtig sein muss, denn der Gute hat fast 100 Laenderspiele. Letztendlich hatte die deutsche Mannschaft genug Chancen das Spiel zu gewinnen oder zumindest unendschieden zu spielen. Das Manko der Chancenverwertung zog sich durch die ganze Vorbereitung und selbst im Austalien-Spiel wurden viel Chance vergeben. In solch einem Spiel faellt das nur nicht so auf. Gegen Ghana heisst es nun alles oder nichts, aber ich habe keine Zweifel, dass die deutsche Mannschaft das schafft.
Hier noch ein paar Fotos und zwei Videos aus dem Stadion:
Die verrueckten Deutschen kurz vor der Abfahrt aus Grahmstown
Ali und ich auf dem Weg nach P.E.
Auch die Kenianerin Ivy unterstuetzt Deutschland
Unsere Truppe vor dem Stadion
Vor dem Stadion noch einmal
Sami beim Aufwaermen
Unser CapitanoDas Team kurz vor dem Spiel beim Aufwaermen (R.Kelly gibt den Ton an)
Die Stimmung kurz vor dem Spiel
Liebe Gruesse und bis bald
Christian
Mittwoch, 16. Juni 2010
Es geht los
Hey Leute,
heute ist hier Feiertag (Youth Day) und ich nutze die Zeit mal ein Update zu geben. Die WM hat begonnen und das Land bebt. An manchen Stellen wie der Ratte muessen zwar manche Leute noch ueberzeugt werden, dass selbst bei England-Spielen der Ton angeschaltet werden muss, aber das sind kleine Enklaven, die leider keinen anderen Sport als Cricket kennen (Fussball ist wahrscheinlich einfach zu schnell).
Freitag begann fuer unsere deutsche Runde die WM schon um 12.00 Uhr mittags. Die Uni wurde offiziell geschlossen und es wurde ein grosses Fest vor unserer Uni veranstaltet. Kurze Reden, dann haben unser Praesident und unsere Vize-Praesidenten die Vuvuzelas ertoenen lassen und am Ende gab es noch ein kleines Fussball-Spiel. Fuer uns ging es in die Ratte. Die Stimmung war super und nach dem Tor von Suedafrika drohte die Ratte zu explodieren. Die Leute haben nach dem Spiel endlich ein wenig Hoffnung fuer ihre Mannschaft. Der Abend wurde nichts allzu lang, aber angesichts des Starts um 12.00 Uhr lang genug. Nach dem langweiligen Frankreich-Spiel war fuer mich Schluss.
Am WE wurde ein wenig gearbeitet und sonst Fussball geschaut. Sonntag war dann der Hoehepunkt. Die meisten Leute hier im Land haben Deutschland nicht viel zugetraut. Den Einzigen, den sie kennen, ist Ballack und der ist nicht mehr dabei. Wir waren mal wieder in der Ratte und es war ein Fest. Den Ausgang kennt ihr ja und Deutschland hat ueberzeugt. Klar, es war Australien, aber wenn ich mir die anderen Mannschaften einschliesslich Brasilien gestern ansehe, ist kein Gegner zu unterschaetzen und kein Favorit hat bis jetzt ueberzeugt. Ich will nicht schon sagen, dass die deutsche Mannschaft Weltmeister wird und es werden schwerere Spiele kommen, aber der Fussball, der gezeigt wurde, war hervorragend. Es macht Spass der deutschen Mannschaft zuzusehen, was ich bis jetzt von anderen Favoriten nicht behaupten kann. Ich hoffe es geht so weiter.
Gestern ging es dann nach P.E. zum Spiel Portugal-Elfenbeinkueste. Es war verdammt kalt mit 9 Grad und Regen. Aber als Deutscher kennt man das ja fast nicht anders, wenn man ins Stadion geht. Das Spiel war nicht so dolle, aber die Stimmung im Stadion war super. Die deutschen Medien sind voll mit dem Vuvuzela-Problem und ich muss zugeben, dass es vor dem Fernseher schon irgendwann nervt. Ich kann nur sagen, dass das im Stadion anders ist. Erst einmal ist es bei weitem nicht so laut. Ich hatte meine Ohrenstoepsel mit und hab sie nach 5 min wieder rausgenommen, da man ohne Probleme so dort sitzen konnte. Wenn die portugiesischen Fans, die eindeutig in der Ueberzahl waren, mal ein wenig gesungen haetten, dann waere das fast wie in einem europaeischen Stadion gewesen. Ich hoffe am Freitag auf die deutschen Fans und ihre Gesaenge. Ich weiss nicht, wo die Fersehsender ihre Mikrophone aufstellen, aber daran sollten die Jungs mal arbeiten und nicht ueber Frequenzenfilter lamentieren. Fuer uns ging es um 11.30 Uhr Richtung P.E. Mit dabei Ali, Anthony, Henning und Shredrick, der Bruder von Penny. Wir haben uns fuer Park&Ride entschieden. In Deutschland etwas ganz Normales, aber P&R wurde hier in Suedafrika fuer die WM erstmals flaechendeckend eingerichtet. Es wird sicher nach der WM wieder verschwinden, aber es hat gestern hervorragend funktioniert. Auf dem Weg zurueck war es etwas chaotisch und nur mit Glueck und etwas Olympiastadion-Erfahrung ist es uns gelungen recht schnell in einen Bus zu gelangen. Als jemand, der schon ein Jahr hier ist, war ich ueberaus positiv von der Organisation ueberrascht. Grosses Lob an die Suedafrikaner!
Soweit von mir. Ich werde versuchen in den naechsten Wochen in kuerzeren Abstanden kurze Beitraege zu schreiben.
Die Schlange vor den Bussen. Es dauerte nur ca. 15 min bis wir im Bus waren.
Anthony und ich warm angezogen auf dem P&R-Parkplatz.
Das erste Mal in einem Bus seit ich in Suedafrika bin, ein Gefuehl von Zuhause.
Henning und ich auf unseren Plaetzen.
Die Sicht von unseren Plaetzen.
In der Halbzeit mit Budweiser und Vuvuzela
Ein Video von der Stimmung im Stadion kurz vor der Halbzeitpause.
Liebe Gruesse aus dem kalten Suedafrika
Christian
heute ist hier Feiertag (Youth Day) und ich nutze die Zeit mal ein Update zu geben. Die WM hat begonnen und das Land bebt. An manchen Stellen wie der Ratte muessen zwar manche Leute noch ueberzeugt werden, dass selbst bei England-Spielen der Ton angeschaltet werden muss, aber das sind kleine Enklaven, die leider keinen anderen Sport als Cricket kennen (Fussball ist wahrscheinlich einfach zu schnell).
Freitag begann fuer unsere deutsche Runde die WM schon um 12.00 Uhr mittags. Die Uni wurde offiziell geschlossen und es wurde ein grosses Fest vor unserer Uni veranstaltet. Kurze Reden, dann haben unser Praesident und unsere Vize-Praesidenten die Vuvuzelas ertoenen lassen und am Ende gab es noch ein kleines Fussball-Spiel. Fuer uns ging es in die Ratte. Die Stimmung war super und nach dem Tor von Suedafrika drohte die Ratte zu explodieren. Die Leute haben nach dem Spiel endlich ein wenig Hoffnung fuer ihre Mannschaft. Der Abend wurde nichts allzu lang, aber angesichts des Starts um 12.00 Uhr lang genug. Nach dem langweiligen Frankreich-Spiel war fuer mich Schluss.
Am WE wurde ein wenig gearbeitet und sonst Fussball geschaut. Sonntag war dann der Hoehepunkt. Die meisten Leute hier im Land haben Deutschland nicht viel zugetraut. Den Einzigen, den sie kennen, ist Ballack und der ist nicht mehr dabei. Wir waren mal wieder in der Ratte und es war ein Fest. Den Ausgang kennt ihr ja und Deutschland hat ueberzeugt. Klar, es war Australien, aber wenn ich mir die anderen Mannschaften einschliesslich Brasilien gestern ansehe, ist kein Gegner zu unterschaetzen und kein Favorit hat bis jetzt ueberzeugt. Ich will nicht schon sagen, dass die deutsche Mannschaft Weltmeister wird und es werden schwerere Spiele kommen, aber der Fussball, der gezeigt wurde, war hervorragend. Es macht Spass der deutschen Mannschaft zuzusehen, was ich bis jetzt von anderen Favoriten nicht behaupten kann. Ich hoffe es geht so weiter.
Gestern ging es dann nach P.E. zum Spiel Portugal-Elfenbeinkueste. Es war verdammt kalt mit 9 Grad und Regen. Aber als Deutscher kennt man das ja fast nicht anders, wenn man ins Stadion geht. Das Spiel war nicht so dolle, aber die Stimmung im Stadion war super. Die deutschen Medien sind voll mit dem Vuvuzela-Problem und ich muss zugeben, dass es vor dem Fernseher schon irgendwann nervt. Ich kann nur sagen, dass das im Stadion anders ist. Erst einmal ist es bei weitem nicht so laut. Ich hatte meine Ohrenstoepsel mit und hab sie nach 5 min wieder rausgenommen, da man ohne Probleme so dort sitzen konnte. Wenn die portugiesischen Fans, die eindeutig in der Ueberzahl waren, mal ein wenig gesungen haetten, dann waere das fast wie in einem europaeischen Stadion gewesen. Ich hoffe am Freitag auf die deutschen Fans und ihre Gesaenge. Ich weiss nicht, wo die Fersehsender ihre Mikrophone aufstellen, aber daran sollten die Jungs mal arbeiten und nicht ueber Frequenzenfilter lamentieren. Fuer uns ging es um 11.30 Uhr Richtung P.E. Mit dabei Ali, Anthony, Henning und Shredrick, der Bruder von Penny. Wir haben uns fuer Park&Ride entschieden. In Deutschland etwas ganz Normales, aber P&R wurde hier in Suedafrika fuer die WM erstmals flaechendeckend eingerichtet. Es wird sicher nach der WM wieder verschwinden, aber es hat gestern hervorragend funktioniert. Auf dem Weg zurueck war es etwas chaotisch und nur mit Glueck und etwas Olympiastadion-Erfahrung ist es uns gelungen recht schnell in einen Bus zu gelangen. Als jemand, der schon ein Jahr hier ist, war ich ueberaus positiv von der Organisation ueberrascht. Grosses Lob an die Suedafrikaner!
Soweit von mir. Ich werde versuchen in den naechsten Wochen in kuerzeren Abstanden kurze Beitraege zu schreiben.
Die Schlange vor den Bussen. Es dauerte nur ca. 15 min bis wir im Bus waren.
Anthony und ich warm angezogen auf dem P&R-Parkplatz.
Das erste Mal in einem Bus seit ich in Suedafrika bin, ein Gefuehl von Zuhause.
Henning und ich auf unseren Plaetzen.
Die Sicht von unseren Plaetzen.
In der Halbzeit mit Budweiser und VuvuzelaEin Video von der Stimmung im Stadion kurz vor der Halbzeitpause.
Liebe Gruesse aus dem kalten Suedafrika
Christian
Samstag, 5. Juni 2010
Der Countdown laeuft ...
Hey Leute,
jetzt sind es noch wenige Tage und die WM geht los. Habe von einigen von euch gehoert, dass das WM-Fieber noch nicht so richtig in Deutschland angekommen ist. Hier laeufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Die Uni hat die Arbeitszeiten auf 16.00 Uhr verkuerzt, damit man zu den 16.00 Uhr-Spielen gehen kann und am Freitag findet die offizielle Rhodes-University-WM-Eroeffnungsparty statt. Also alle Zeichen stehen auf WM und ich moechte mich hier schon mal festlegen, dass unsere Mannschaft ein gutes Turnier spielen wird. Am 18.06. werde ich die dann hier live in P.E. im Stadion gegen Serbien sehen. Schon wieder WM im eigenen LAND!
Meine Karte fuer das Spiel Deutschland-Serbien.
Aber nun mal zunaechst der Reihe nach, was in den letzten Wochen passiert ist.
In der Woche von 17.05-23.05 ist zunaechst John Mack (Herkunft Schottland) aus Japan hier angekommen. Das sagt den meisten von euch nichts, aber John ist der Guru auf meinem Gebiet fuer theoretische Berechnungen von Energieniveaus in den Molekuelen mit denen ich arbeite. Habe ihn recht oft in meiner Doktorarbeit zitiert, bin ihm aber nie persoenlich begegnet. Am Wochenende stand dann Hennings Geburtstag an. Henning wollte von Samstag auf Sonntag reinfeiern und dann Sonntag bei sich ein Fisch -Braii veranstalten. Ali hatte von seinem letzten Fieldtrip in Kapstadt jede Menge Fisch mitgebracht und Henning zum Geburtstag geschenkt. Ausser dem Fisch hat Ali auch einen Ring mitgebracht und um Ivys Hand angehalten. Zunaechst wollten wir Samstag das CL-Finale Bayern-Inter im Oldie sehen. Leider war das Oldie ein paar Stunden vorher ausgebrannt und wir auf der Suche nach einer neuen Moeglichkeit. In der Ratte lief noch Rugby und somit ging es in das Equi nebenan. Leider konnten die Mitarbeiter keinen ton auf den Fernseher legen, so dass die erste Halbzeit stumm blieb. Zur zweiten Halbzeit ging es rueber in die Ratte zur Grossbildleinwand. Die Stimmung war gut, aber das Ergebnis ist bekannt. Nach kurzer Trauer ging es aber mit diversen Shooter und Bieren Richtung 0.00 Uhr und Hennings Geburtstag. Wir blieben noch in der Ratte bis sie uns um 2.00 Uhr puenktlich zum Zapfenstreich rausgeschmissen haben. Aber das Equi war noch offen und Tanaka, der Bruder von Wadzi (meiner Dokotrandin, jetzt selber Doktor) ueberredete den Manager den Laden offen zu lassen und denn es wuerden 10 weitere Leute kommen und er lege die Musik auf. Also hatten wir in der oertlichen Disko unsere eigene Party und ich habe das Knie mal wieder auf seine Tanztauglichkeit getestet (hat gehalten). Sonntag um 13.00 Uhr stand der Fisch-Braii an. Die halbe Mannschaft trat mit Kater an, aber mit Konter-Bier und Fisch konnten die meisten erfolgreich dagegen ankaempfen. Das Wetter war super und wir sassen lange draussen bis es uns dann zu kalt wurde. Irgendwann kam jemand auf die Idee 30 Sekunden zu spielen. Das ist ein Gesellschaftsspiel, bei dem man in 30 Sekuden 5 Begriffe erklaeren muss ohne das Wort oder Teilwoerter zu verwenden. Fuer mich war es faszinierend, wie das Allgemeinwissen verstreut war. Wenn unsere Maedels sich bestimmte Celebrities erklaeren wollten, hiess es nur: "War mit dem zusammen,... nee, nicht die, die danach,... ach die!" In diesem Momenten schauten sich Henning und ich nur verwundert an, denn da sahen wir keinen Stich. Wenn es aber darum ging zu erklaeren was Fort Knox ist, dann hiess es:" ... das liegt, glaube ich, unten an der Kueste zwischen East London und Port Alfred." Es kam keiner drauf, aber vielleicht stimmt das ja?!? Gegen Ende wurde es auch sehr umkaempft, so dass wir auf eine zweite Runde verzichteten, damit sich die Maedels nicht in die Haare bekommen.
In der Woche vom 24.05-30.05 sollte ich einen Vortrag ueber die Physik des Fussball und der Vuvuzela fuer Schueler im Albany Museum halten. Es sollte jeden Tag zwischen 9.00 und 10.00 Uhr stattfinden mit verschiedenen Klassen aus Grahamstown. Es kostete mich ziemlich viel Zeit das vorzubereiten, aber es hat sich gelohnt. Die Schueler waren jeden Tag begeistert und haben bei allem gut mitgemacht. Man hat aber auch deutlich gesehen, dass Fussball ein Sport der schwarzen Bevoelkerung ist. Die schwarzen Schueler wussten alles, was ich erfragt habe, von jeden Nationalspieler bis hin zum Ball und Trainer, Vereine u.s.w.. Die weissen Schueler spielen von Kind auf eher Rugby und wenn die Eltern Geld haben auch Cricket. Traurig war fuer mich der Besuch der Klasse am Donnerstag, denn da kamen Schueler aus einer Schule fuer Kinder mit Behinderungen aus dem Township (special needs). Diese Behinderungen stammen ueberwiegend von prenatalen Schaedigungen der Kinder, also auf deutsch die Mutter hat getrunken oder Drogen genommen waehrend der Schwangerschaft. Nach diesem Vortrag war ich richtig erschoepft, da die Kinder einerseits schwer zu motivieren und zum Mitmachen zu bewegen waren. Auf der anderen Seite ich mich extrem gefreut, wenn ich die Kinder begeistern konnte und etwas zurueck kam.
Freitag Abend sind wir (Edith und ich) mit John in die Ratte gegangen. Seit seiner Ankunft sind wir einmal mit Prof. offiziell mit ihm in unserem franzoesisches Restaurant (gibt nur eins) gegangen, aber nie wirklich mal locker ein Bier trinken gegangen. Ali und Henning waren auch noch in der Ratte. Nachdem uns Ali und Henning verlassen hatten und die Ratte sich mit immer mehr Partyvolk fuellte, gingen wir noch weiter ins Yellow House. Nach diversen Shooter und ein paar Bier draengte ich ein wenig auf ein Ende des Abends, da ich wusste, dass wir am naechsten Tag mit John in den Addo fahren wuerden. Der Schlaf reichte trotzdem nicht. John hatte auf dem Weg zum Addo sichtlich zu kaempfen, hingegen ging es mir recht gut. Im Addo haben wir mal wieder viele Elefanten gesehen, aber zu unserer Ueberraschung auch vier Loewen. Danach ging es zum Capetown Fish Market, eine recht teure Fisch-Restaurant-Kette, in P.E. Es gab sehr leckeren Fisch und als Vorspeise Sushi. Zueruck auf dem Parkplatz stellten wir fest, dass wir einen Platten hatten. Ich sah das Laenderspiel Deutschland gegen Ungarn, zu dem ich wieder in Grahamstown sein wollte, schon an meinem inneren Auge vorbeirauschen. Aber da habe ich nicht mit unserem Fahrer Eric gerechnet. Der meinte er faehrt mal schnell zur Tanke und bringt wieder Luft auf den Reifen. Da sah ich mich vor meinem inneren Auge schon im Strassengraben. Ca. 30 km spaeter hielten wir an der naechsten Tanke an, um den Reifen wieder mehr Luft zu geben. Danach musste der Reifen 90 weitere Km durchhalten, was er auch tat. Der Deutsche war mal wieder zu deutsch, trotzdem er schon ein Jahr im Land ist.
Ein kleiner Elefant zeigt seine grossen Ohren
Viel los an der Wasserstelle
Der Koenig der Loewen, sieht man sehr selten im ADDO.
Am Sonntag ging es zu Jackys Geburtstag auf deren Farm. Dort sassen wir fast den ganzen Tag bis spaet in die Nacht am Lagerfeuer und haben Fisch und Rindergulasch gegessen.
In der Woche vom 31.05-heute stand am Montag zunaechst die Korrektur der Examen an. Wollte das so schnell wie moeglich hinter mich bringen und das gelang mir auch. Der Rest der Woche war mit Vortragen der Honours-Studenten und Probevortraegen der PhD-Studenten gefuellt, so dass man wenig zum Arbeiten kam. Mittwoch sind wir nochmal mit John auf ein letztes Abendbrot und Bier ins Yellow House gegangen bevor er uns Richtung Japan am Donnerstag verliess. Donnerstag Abend stand das Laenderspiel gegen Bosnien an, aber auch Alis Junggesellenabschied. Ivy und Ali wollten Freitag standesamtlich heiraten und somit konnten wir den Fussballabend mit Alis letzten Tag in Freiheit verbinden. Neben Henning und mir kamen noch einige Kollegen von Ali, so dass wir den Manager der Ratte ueberreden konnten einen Teil der Ratte nunr fuer uns zu oeffnen (im Rest der Ratte wurde Cricket geschaut). Dort konnten wir in Ruhe Fussball auf Grossbildleinwand sehen. Ivys Bedingungen waren: Kein Schnaps fuer Ali und er sollte um 22.30 nach Hause kommen. Naja, wir haben Tequila als kein Schnaps definiert und aus 22.30 wurde 1.00 Uhr. Also fast alle Regeln eingehalten. Da ich am naechsten Morgen nocheinmal meinen Fussball-Vortrag halten sollte (aufgrund grossen Erfolgs verlaengert) , musste ich frueh raus. Das war hart. Um 14.00 Uhr stand die standesamtliche Hochzeit an. Im gleichen Raum wie bei Jacky und Stuart letztes Jahr war die Trauung schnell erledigt, lange hat nur das Ausfuellen der Dokumente gedauert. Am Ende wird die Hochzeit neben der Unterschrift auch mit dem Fingerabdruck besiegelt. Der Knaller diesmal war, dass Ivy, die Standesbeamte nach der Trauung fragte, in welchem Monat sie denn sei und die nur meinte, nee:" Nein, ich bekomme nur den Bauch nicht mehr weg." Au weia, gut, dass das eine Frau gefragt hat. Danach ging es noch ins Yellow House auf einen kleinen Empfang. Nach und nach kamen viele Bekannte von Ali und Ivy an, so dass wir am Ende das ganze Deck fuer uns hatten. Henning und ich haben sich dann gegen 20.00 Uhr verabschiedet, da heute und morgen die Party noch weitergeht. Heute feiern Penny und Sanel Geburtstag und morgen wir auf Pennys Geburtstag noch ein Braii veranstaltet. Der alte Mann muss sein Kraefte einteilen...
Ali und Ivy kurz vor dem Ja-Wort.
Das glueckliche Paar!
Die Trauzeugen Anthony und Stuart bei der Unterschrift.
Soviel von mir.
Liebe Gruesse aus dem Land der WM 2010
Christian
jetzt sind es noch wenige Tage und die WM geht los. Habe von einigen von euch gehoert, dass das WM-Fieber noch nicht so richtig in Deutschland angekommen ist. Hier laeufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Die Uni hat die Arbeitszeiten auf 16.00 Uhr verkuerzt, damit man zu den 16.00 Uhr-Spielen gehen kann und am Freitag findet die offizielle Rhodes-University-WM-Eroeffnungsparty statt. Also alle Zeichen stehen auf WM und ich moechte mich hier schon mal festlegen, dass unsere Mannschaft ein gutes Turnier spielen wird. Am 18.06. werde ich die dann hier live in P.E. im Stadion gegen Serbien sehen. Schon wieder WM im eigenen LAND!
Aber nun mal zunaechst der Reihe nach, was in den letzten Wochen passiert ist.
In der Woche von 17.05-23.05 ist zunaechst John Mack (Herkunft Schottland) aus Japan hier angekommen. Das sagt den meisten von euch nichts, aber John ist der Guru auf meinem Gebiet fuer theoretische Berechnungen von Energieniveaus in den Molekuelen mit denen ich arbeite. Habe ihn recht oft in meiner Doktorarbeit zitiert, bin ihm aber nie persoenlich begegnet. Am Wochenende stand dann Hennings Geburtstag an. Henning wollte von Samstag auf Sonntag reinfeiern und dann Sonntag bei sich ein Fisch -Braii veranstalten. Ali hatte von seinem letzten Fieldtrip in Kapstadt jede Menge Fisch mitgebracht und Henning zum Geburtstag geschenkt. Ausser dem Fisch hat Ali auch einen Ring mitgebracht und um Ivys Hand angehalten. Zunaechst wollten wir Samstag das CL-Finale Bayern-Inter im Oldie sehen. Leider war das Oldie ein paar Stunden vorher ausgebrannt und wir auf der Suche nach einer neuen Moeglichkeit. In der Ratte lief noch Rugby und somit ging es in das Equi nebenan. Leider konnten die Mitarbeiter keinen ton auf den Fernseher legen, so dass die erste Halbzeit stumm blieb. Zur zweiten Halbzeit ging es rueber in die Ratte zur Grossbildleinwand. Die Stimmung war gut, aber das Ergebnis ist bekannt. Nach kurzer Trauer ging es aber mit diversen Shooter und Bieren Richtung 0.00 Uhr und Hennings Geburtstag. Wir blieben noch in der Ratte bis sie uns um 2.00 Uhr puenktlich zum Zapfenstreich rausgeschmissen haben. Aber das Equi war noch offen und Tanaka, der Bruder von Wadzi (meiner Dokotrandin, jetzt selber Doktor) ueberredete den Manager den Laden offen zu lassen und denn es wuerden 10 weitere Leute kommen und er lege die Musik auf. Also hatten wir in der oertlichen Disko unsere eigene Party und ich habe das Knie mal wieder auf seine Tanztauglichkeit getestet (hat gehalten). Sonntag um 13.00 Uhr stand der Fisch-Braii an. Die halbe Mannschaft trat mit Kater an, aber mit Konter-Bier und Fisch konnten die meisten erfolgreich dagegen ankaempfen. Das Wetter war super und wir sassen lange draussen bis es uns dann zu kalt wurde. Irgendwann kam jemand auf die Idee 30 Sekunden zu spielen. Das ist ein Gesellschaftsspiel, bei dem man in 30 Sekuden 5 Begriffe erklaeren muss ohne das Wort oder Teilwoerter zu verwenden. Fuer mich war es faszinierend, wie das Allgemeinwissen verstreut war. Wenn unsere Maedels sich bestimmte Celebrities erklaeren wollten, hiess es nur: "War mit dem zusammen,... nee, nicht die, die danach,... ach die!" In diesem Momenten schauten sich Henning und ich nur verwundert an, denn da sahen wir keinen Stich. Wenn es aber darum ging zu erklaeren was Fort Knox ist, dann hiess es:" ... das liegt, glaube ich, unten an der Kueste zwischen East London und Port Alfred." Es kam keiner drauf, aber vielleicht stimmt das ja?!? Gegen Ende wurde es auch sehr umkaempft, so dass wir auf eine zweite Runde verzichteten, damit sich die Maedels nicht in die Haare bekommen.
In der Woche vom 24.05-30.05 sollte ich einen Vortrag ueber die Physik des Fussball und der Vuvuzela fuer Schueler im Albany Museum halten. Es sollte jeden Tag zwischen 9.00 und 10.00 Uhr stattfinden mit verschiedenen Klassen aus Grahamstown. Es kostete mich ziemlich viel Zeit das vorzubereiten, aber es hat sich gelohnt. Die Schueler waren jeden Tag begeistert und haben bei allem gut mitgemacht. Man hat aber auch deutlich gesehen, dass Fussball ein Sport der schwarzen Bevoelkerung ist. Die schwarzen Schueler wussten alles, was ich erfragt habe, von jeden Nationalspieler bis hin zum Ball und Trainer, Vereine u.s.w.. Die weissen Schueler spielen von Kind auf eher Rugby und wenn die Eltern Geld haben auch Cricket. Traurig war fuer mich der Besuch der Klasse am Donnerstag, denn da kamen Schueler aus einer Schule fuer Kinder mit Behinderungen aus dem Township (special needs). Diese Behinderungen stammen ueberwiegend von prenatalen Schaedigungen der Kinder, also auf deutsch die Mutter hat getrunken oder Drogen genommen waehrend der Schwangerschaft. Nach diesem Vortrag war ich richtig erschoepft, da die Kinder einerseits schwer zu motivieren und zum Mitmachen zu bewegen waren. Auf der anderen Seite ich mich extrem gefreut, wenn ich die Kinder begeistern konnte und etwas zurueck kam.
Freitag Abend sind wir (Edith und ich) mit John in die Ratte gegangen. Seit seiner Ankunft sind wir einmal mit Prof. offiziell mit ihm in unserem franzoesisches Restaurant (gibt nur eins) gegangen, aber nie wirklich mal locker ein Bier trinken gegangen. Ali und Henning waren auch noch in der Ratte. Nachdem uns Ali und Henning verlassen hatten und die Ratte sich mit immer mehr Partyvolk fuellte, gingen wir noch weiter ins Yellow House. Nach diversen Shooter und ein paar Bier draengte ich ein wenig auf ein Ende des Abends, da ich wusste, dass wir am naechsten Tag mit John in den Addo fahren wuerden. Der Schlaf reichte trotzdem nicht. John hatte auf dem Weg zum Addo sichtlich zu kaempfen, hingegen ging es mir recht gut. Im Addo haben wir mal wieder viele Elefanten gesehen, aber zu unserer Ueberraschung auch vier Loewen. Danach ging es zum Capetown Fish Market, eine recht teure Fisch-Restaurant-Kette, in P.E. Es gab sehr leckeren Fisch und als Vorspeise Sushi. Zueruck auf dem Parkplatz stellten wir fest, dass wir einen Platten hatten. Ich sah das Laenderspiel Deutschland gegen Ungarn, zu dem ich wieder in Grahamstown sein wollte, schon an meinem inneren Auge vorbeirauschen. Aber da habe ich nicht mit unserem Fahrer Eric gerechnet. Der meinte er faehrt mal schnell zur Tanke und bringt wieder Luft auf den Reifen. Da sah ich mich vor meinem inneren Auge schon im Strassengraben. Ca. 30 km spaeter hielten wir an der naechsten Tanke an, um den Reifen wieder mehr Luft zu geben. Danach musste der Reifen 90 weitere Km durchhalten, was er auch tat. Der Deutsche war mal wieder zu deutsch, trotzdem er schon ein Jahr im Land ist.
Am Sonntag ging es zu Jackys Geburtstag auf deren Farm. Dort sassen wir fast den ganzen Tag bis spaet in die Nacht am Lagerfeuer und haben Fisch und Rindergulasch gegessen.
In der Woche vom 31.05-heute stand am Montag zunaechst die Korrektur der Examen an. Wollte das so schnell wie moeglich hinter mich bringen und das gelang mir auch. Der Rest der Woche war mit Vortragen der Honours-Studenten und Probevortraegen der PhD-Studenten gefuellt, so dass man wenig zum Arbeiten kam. Mittwoch sind wir nochmal mit John auf ein letztes Abendbrot und Bier ins Yellow House gegangen bevor er uns Richtung Japan am Donnerstag verliess. Donnerstag Abend stand das Laenderspiel gegen Bosnien an, aber auch Alis Junggesellenabschied. Ivy und Ali wollten Freitag standesamtlich heiraten und somit konnten wir den Fussballabend mit Alis letzten Tag in Freiheit verbinden. Neben Henning und mir kamen noch einige Kollegen von Ali, so dass wir den Manager der Ratte ueberreden konnten einen Teil der Ratte nunr fuer uns zu oeffnen (im Rest der Ratte wurde Cricket geschaut). Dort konnten wir in Ruhe Fussball auf Grossbildleinwand sehen. Ivys Bedingungen waren: Kein Schnaps fuer Ali und er sollte um 22.30 nach Hause kommen. Naja, wir haben Tequila als kein Schnaps definiert und aus 22.30 wurde 1.00 Uhr. Also fast alle Regeln eingehalten. Da ich am naechsten Morgen nocheinmal meinen Fussball-Vortrag halten sollte (aufgrund grossen Erfolgs verlaengert) , musste ich frueh raus. Das war hart. Um 14.00 Uhr stand die standesamtliche Hochzeit an. Im gleichen Raum wie bei Jacky und Stuart letztes Jahr war die Trauung schnell erledigt, lange hat nur das Ausfuellen der Dokumente gedauert. Am Ende wird die Hochzeit neben der Unterschrift auch mit dem Fingerabdruck besiegelt. Der Knaller diesmal war, dass Ivy, die Standesbeamte nach der Trauung fragte, in welchem Monat sie denn sei und die nur meinte, nee:" Nein, ich bekomme nur den Bauch nicht mehr weg." Au weia, gut, dass das eine Frau gefragt hat. Danach ging es noch ins Yellow House auf einen kleinen Empfang. Nach und nach kamen viele Bekannte von Ali und Ivy an, so dass wir am Ende das ganze Deck fuer uns hatten. Henning und ich haben sich dann gegen 20.00 Uhr verabschiedet, da heute und morgen die Party noch weitergeht. Heute feiern Penny und Sanel Geburtstag und morgen wir auf Pennys Geburtstag noch ein Braii veranstaltet. Der alte Mann muss sein Kraefte einteilen...
Soviel von mir.
Liebe Gruesse aus dem Land der WM 2010
Christian
Samstag, 15. Mai 2010
Und dann ist es doch passiert
Hey Leute,
es hat mal wieder vier Wochen gebraucht bis ich zum naechsten Eintrag. Diesmal habe ich sogar eine Ausrede. Ich hatte immer Angst davor und deshalb Fussball auf einem ganz lockeren Level gespielt. Ohne grossen Koerpereinsatz und Ambitionen. Ich wollte einfach etwas fit bleiben und ich spiele dann lieber Fussball als dass ich durch die Gegend jogge. Aber dann ist es doch passiert und ich habe mir am 18.04. eine relativ schwere Verletzung zugezogen. Ja, ich wollte mit den Ball an jemanden vorbei laufen, bin weggeruscht, der Gegenspieler ebenfalls und auf mich drauf gefallen und raus war die Kniescheibe. Ich wusste sofort, dass es was Schlimmeres war. Alle um mich herum wollten mich beruhigen, aber die meisten von euch kennen ja meine Verletzungsgeschichten und mit dieser Erfahrung war mir sofort klar, dass das wieder mal im Operationssaal endet. Ich dachte und sagte nur FUCK und warum hier in Suedafrika. Ich hatte richtig Angst, dass ich nicht richtig versorgt werden kann und einen bleibenden Schaden am Knie behalte. Ja, dann dann ging es mit Harry, Tom und Henning ab ins Krankenhaus in Grahamstown. Dort gab es fuer mich die Wahl "pivate" oder "public". Die "public"-Versorgung ist in Suedafrika frei fuer alle, bedeutet aber, dass man auch an Aerzte geraten kann, die keinen Plan haben. "private" bedeutet man sieht einen "besseren" Arzt und muss auch bezahlen. Also sagte ich private, aber da meinte der Mann in der Aufnahme nur:" Gibt dir nen Tipp, sag public, denn das ist der gleiche Arzt!". Ich dachte nur, na das geht ja gut los. Nachdem ich dann ca. 2 h gewartet habe, kam der Arzt. Zwischendurch hatte ich mir schon allein die Roentgenbilder besorgt. eine Frau kam durch und wollte wissen, wer zum Roentgen muss und ohne Arzt habe ich einfach hier gesagt. Naja und dann hat sie ich einfach geroentgt. War aber gut so, da der Arzt die sowieso brauchte. Der schaute sich die Bilder an und meinte die Kniescheibe waere raus aber sonst allles okay und ich soll das Bein einfach 3 Wochen hochhalten und kuehlen und dann geht die Kniescheibe wieder zurueck. Man muss dazu sagen, dass man die Kniescheibe richtig oberhalb des Knies unter der Haut sehen konnte. Da war bei mir die Geduld zuende und ich meinte, dass ich weder mit seiner Diagnose noch mit der Therapie uebereinstimme und ne zweite Meinung will. Ich war mir sicher, dass auch Baender durch waren. Darauf wurde der froehliche Arzt, der sich vorher noch locker ueber Fussball mit uns unterhalten hat, nervoes. Nach ca. 15 min kam er zurueck und meinte ich soll das Bein mal anheben. Ich konnte das aber nicht und da meinte er, dass wohl doch Baender durch sind. Er habe grade mit einer Spezialistin in P.E. gesprochen und die hat ihn gefragt, ob ich das kann. Er wuerde mich jetzt ueberweisen und ich sollte sofort nach P.E. in das Livingsston Krankenhaus (staatlich). Zwischendurch waren schon meine Chefin und Denzil, der Mann meiner Kollegin Edith eingetroffen. Wir hatte naemlich nach der Therapie "Beine hoch" schon andere Plaene gemacht. Ich wollte ins St. George's Hospital in P.E. Das ist das private Krankenhaus in P.E. Henning war zu muede, um mich noch 1,5 h nach P.E. zu fahren und so hatte ich Edith angerufen und gefragt, ob sie sich das zutraut. Sie meinte es waere besser, wenn Denzil das macht. Ich fragte noch den Arzt, ob der mich ins St. George's ueberweisen koennte, da die Reise dahin geht, aber er meinte, er koennte das nicht. Also ging es nach P.E. Mittlerweile war es 21.30 Uhr. Gegen ca. 23.00 Uhr kamen wir im Krankenhaus an. Ich kam relativ schnell dran. Man muss dazu wissen, dass viele Menschen in Suedafrika nicht krankenversichert sind und sich eine Behandlung in einem privaten Krankenhaus nicht leisten koennen. Ich bin mittlerweile bei der DKV auslandskrankenversichert und muss zunaechst erstmal alle Rechnungen bezahlen und erhalte das Geld zurueck. In diesem Moment wusste ich aber nicht, ob das alles so laufen wird, es war mir aber auch egal, da ich einfach nur gesund werden wollte. Ich musste ein Deposit von 1000 Euro (eigentlich 2000 Euro, aber ich hab verhandelt) hinterlassen, damit ueberhaupt etwas gemacht wird. Leider mussten die Leute dort erneut ein Roentgen-Bild machen, da mir der Arzt in Grahamstwon die Bilder nicht mitgegeben hat. Der Arzt dort meinte sofort, dass es operiert werden muss und ich morgen frueh um Spezialisten muss. In diesem Moment hatte ich das erste Mal seit Stunden wieder das Gefuehl, dass es wieder gut werden koennte. Das Krankenhaus koennte mich jetzt aufnehmen oder ich fahre nach Hause und komme wieder. Denzil hatte beschlossen bei seiner Schwester in P.E. zu uebernachten und am naechsten Tag erst wieder nach Grahamstown zu fahren. Er nahm mich mit zu seiner Schwester und fuhr mich am naechsten Morgen wieder zum Krankenhaus. Dort wurde ich sofort zum Spezialisten gefuehrt und musste nicht lange warten. Dr. Swart war einer von diesen typischen abgebruehten orthopaedischen Chirurgen, wie sie mir in meiner Verletzten-Karriere schon oft untergekommen sind. Sehr nett und ohne jede Aufregung meinte er, dass ich operiert werde muesste. Er wollte vorher aber nochmal ein MRT machen, um sich die Baender und Sehnen anzusehen. Danach ging es fuer mich auf Station. Dort stellte sich heraus, dass der Doc mich schon am gleichen Abend operieren wollte. So war es dann auch und mir ging es recht gut nach der OP. Ich blieb noch bis Mittwoch morgen im Krankenhaus. Mein Zimmernachbar der Eric, ein typischer Coloured, hatte unglaublich viele Geschichten zu erzaehlen. Das Problem war, dass Englisch nicht seine erste Sprache war (Aficaans) und er seine Zaehne Zuhause gelassen hatte. Das "th" ohne Zaehne ist quasi unmoeglich und somit musste ich ca. jeden 2ten Satz nachfragen, was er gesagt hatte. Naja so gehen Tage auch rum. Am Ende wollte mich Eric noch ohne zu fragen mit einer huebschen Schwester verkuppeln, was aber durch seine agressive Flirttour gehoerig schief ging und die Schwester war am Ende auch noch sauer auf mich und meidete unser Zimmer. Mittwoch ging es nach Hause. Meine chefin hatte mir ein Shuttle geschickt, um mich wieder nach Grahamstown zu bringen. Ich war nun mit Schiene am Bein und Kruecken bewaffnet. Donnerstag bin ich dann schon wieder in die Uni gefahren. Trotzdem ich noch Schmerzen hatte, konnte ich nicht den Ganzen Tag Zuhause liegen. Ausserdem wollte ich meine Vorlesung in der naechsten Woche halten und den Folien den letzten Schliff geben.
Und so laufe ich jetzt rum (seit dieser Woche nur noch eine Kruecke und endlich wieder Jeans)
In der Woche vom 26.04-02.05 ging es mit der Vorlesung los. Am Anfang noch auf 2 Kruecken verlief aber alles recht glatt. Viel ist sonst nicht passiert.
In der Woche vom 03.05-09.05 ging die Vorlesung weiter, aber es stand auch ein Training an unserem neuen MALDI-TOF an. Meine Chefin wollte mir eigentlich nicht auch noch dieses Geraet ueberhelfen, aber ich wollte die Technik gerne lernen. Also habe ich mit Edith und Megan (Bild) an dem Kurs teilgenommen. Volker unser "Lehrer" Volker aus Bremen hatte einen recht anstrengenden Stil, uns die Dinge beizubringen. War so ein wenig wie bei einem Menschen mit ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung). Er erklaerte eine Sache und dann sah er etwas auf dem Bildschirm oder am Geraet und wechselte sofort das Thema oder erzaehlte eine Geschichte von einer anderen Installation. Am Ende der drei Tage viel ich Freitag Abend um 21.00 Uhr ins Bett und hab 12 h durchgeschlafen, nur unterbrochen von Alptraeumen von Volker.
Edith, Volker und Megan beim MALDI-TOF Training
In dieser Woche bin ich wieder so ein wenig zurueck ins Alltagsleben gekommen. Studenten haben die Chance genutzt endlich mal wieder mit mir zu messen und unendlich viele Fragen zu stellen. Ausserdem musste ich eine Vorlesung von meiner Chefin ueberehmen, da sie nach Pretoria fliegen musste , um eine Ehrendoktorwuerde zu erhalten. Uebrigens die Zweite in 3 Wochen. Nach vier Wochen war ich auch mal wieder was trinken. Henning hat ein Jobangebot von der University of Capetown und hat dieses am Donnerstag offiziell angenommen. Ab Januar 2011 geht es fuer ihn und Penny nach Kapstadt. Daraufhin lud er mich zum Essen in die Ratte ein und beim Relegationsspiel Nuernberg-Augsburg gab es noch weitere Biere. Ein letztes Bier (Scheidebecher) im Yellow House beschloss den Abend. Lange nicht mehr solche Kopfschmerzen gehabt wie am Freitag morgen. Ich bin komplett aus der Uebung...
Soviel von mir!
Daumen druecken fuer Bremen heute! Die Bayern koennen dann naechste Woche die CL gewinnen!
Liebe Gruesse
Christian
es hat mal wieder vier Wochen gebraucht bis ich zum naechsten Eintrag. Diesmal habe ich sogar eine Ausrede. Ich hatte immer Angst davor und deshalb Fussball auf einem ganz lockeren Level gespielt. Ohne grossen Koerpereinsatz und Ambitionen. Ich wollte einfach etwas fit bleiben und ich spiele dann lieber Fussball als dass ich durch die Gegend jogge. Aber dann ist es doch passiert und ich habe mir am 18.04. eine relativ schwere Verletzung zugezogen. Ja, ich wollte mit den Ball an jemanden vorbei laufen, bin weggeruscht, der Gegenspieler ebenfalls und auf mich drauf gefallen und raus war die Kniescheibe. Ich wusste sofort, dass es was Schlimmeres war. Alle um mich herum wollten mich beruhigen, aber die meisten von euch kennen ja meine Verletzungsgeschichten und mit dieser Erfahrung war mir sofort klar, dass das wieder mal im Operationssaal endet. Ich dachte und sagte nur FUCK und warum hier in Suedafrika. Ich hatte richtig Angst, dass ich nicht richtig versorgt werden kann und einen bleibenden Schaden am Knie behalte. Ja, dann dann ging es mit Harry, Tom und Henning ab ins Krankenhaus in Grahamstown. Dort gab es fuer mich die Wahl "pivate" oder "public". Die "public"-Versorgung ist in Suedafrika frei fuer alle, bedeutet aber, dass man auch an Aerzte geraten kann, die keinen Plan haben. "private" bedeutet man sieht einen "besseren" Arzt und muss auch bezahlen. Also sagte ich private, aber da meinte der Mann in der Aufnahme nur:" Gibt dir nen Tipp, sag public, denn das ist der gleiche Arzt!". Ich dachte nur, na das geht ja gut los. Nachdem ich dann ca. 2 h gewartet habe, kam der Arzt. Zwischendurch hatte ich mir schon allein die Roentgenbilder besorgt. eine Frau kam durch und wollte wissen, wer zum Roentgen muss und ohne Arzt habe ich einfach hier gesagt. Naja und dann hat sie ich einfach geroentgt. War aber gut so, da der Arzt die sowieso brauchte. Der schaute sich die Bilder an und meinte die Kniescheibe waere raus aber sonst allles okay und ich soll das Bein einfach 3 Wochen hochhalten und kuehlen und dann geht die Kniescheibe wieder zurueck. Man muss dazu sagen, dass man die Kniescheibe richtig oberhalb des Knies unter der Haut sehen konnte. Da war bei mir die Geduld zuende und ich meinte, dass ich weder mit seiner Diagnose noch mit der Therapie uebereinstimme und ne zweite Meinung will. Ich war mir sicher, dass auch Baender durch waren. Darauf wurde der froehliche Arzt, der sich vorher noch locker ueber Fussball mit uns unterhalten hat, nervoes. Nach ca. 15 min kam er zurueck und meinte ich soll das Bein mal anheben. Ich konnte das aber nicht und da meinte er, dass wohl doch Baender durch sind. Er habe grade mit einer Spezialistin in P.E. gesprochen und die hat ihn gefragt, ob ich das kann. Er wuerde mich jetzt ueberweisen und ich sollte sofort nach P.E. in das Livingsston Krankenhaus (staatlich). Zwischendurch waren schon meine Chefin und Denzil, der Mann meiner Kollegin Edith eingetroffen. Wir hatte naemlich nach der Therapie "Beine hoch" schon andere Plaene gemacht. Ich wollte ins St. George's Hospital in P.E. Das ist das private Krankenhaus in P.E. Henning war zu muede, um mich noch 1,5 h nach P.E. zu fahren und so hatte ich Edith angerufen und gefragt, ob sie sich das zutraut. Sie meinte es waere besser, wenn Denzil das macht. Ich fragte noch den Arzt, ob der mich ins St. George's ueberweisen koennte, da die Reise dahin geht, aber er meinte, er koennte das nicht. Also ging es nach P.E. Mittlerweile war es 21.30 Uhr. Gegen ca. 23.00 Uhr kamen wir im Krankenhaus an. Ich kam relativ schnell dran. Man muss dazu wissen, dass viele Menschen in Suedafrika nicht krankenversichert sind und sich eine Behandlung in einem privaten Krankenhaus nicht leisten koennen. Ich bin mittlerweile bei der DKV auslandskrankenversichert und muss zunaechst erstmal alle Rechnungen bezahlen und erhalte das Geld zurueck. In diesem Moment wusste ich aber nicht, ob das alles so laufen wird, es war mir aber auch egal, da ich einfach nur gesund werden wollte. Ich musste ein Deposit von 1000 Euro (eigentlich 2000 Euro, aber ich hab verhandelt) hinterlassen, damit ueberhaupt etwas gemacht wird. Leider mussten die Leute dort erneut ein Roentgen-Bild machen, da mir der Arzt in Grahamstwon die Bilder nicht mitgegeben hat. Der Arzt dort meinte sofort, dass es operiert werden muss und ich morgen frueh um Spezialisten muss. In diesem Moment hatte ich das erste Mal seit Stunden wieder das Gefuehl, dass es wieder gut werden koennte. Das Krankenhaus koennte mich jetzt aufnehmen oder ich fahre nach Hause und komme wieder. Denzil hatte beschlossen bei seiner Schwester in P.E. zu uebernachten und am naechsten Tag erst wieder nach Grahamstown zu fahren. Er nahm mich mit zu seiner Schwester und fuhr mich am naechsten Morgen wieder zum Krankenhaus. Dort wurde ich sofort zum Spezialisten gefuehrt und musste nicht lange warten. Dr. Swart war einer von diesen typischen abgebruehten orthopaedischen Chirurgen, wie sie mir in meiner Verletzten-Karriere schon oft untergekommen sind. Sehr nett und ohne jede Aufregung meinte er, dass ich operiert werde muesste. Er wollte vorher aber nochmal ein MRT machen, um sich die Baender und Sehnen anzusehen. Danach ging es fuer mich auf Station. Dort stellte sich heraus, dass der Doc mich schon am gleichen Abend operieren wollte. So war es dann auch und mir ging es recht gut nach der OP. Ich blieb noch bis Mittwoch morgen im Krankenhaus. Mein Zimmernachbar der Eric, ein typischer Coloured, hatte unglaublich viele Geschichten zu erzaehlen. Das Problem war, dass Englisch nicht seine erste Sprache war (Aficaans) und er seine Zaehne Zuhause gelassen hatte. Das "th" ohne Zaehne ist quasi unmoeglich und somit musste ich ca. jeden 2ten Satz nachfragen, was er gesagt hatte. Naja so gehen Tage auch rum. Am Ende wollte mich Eric noch ohne zu fragen mit einer huebschen Schwester verkuppeln, was aber durch seine agressive Flirttour gehoerig schief ging und die Schwester war am Ende auch noch sauer auf mich und meidete unser Zimmer. Mittwoch ging es nach Hause. Meine chefin hatte mir ein Shuttle geschickt, um mich wieder nach Grahamstown zu bringen. Ich war nun mit Schiene am Bein und Kruecken bewaffnet. Donnerstag bin ich dann schon wieder in die Uni gefahren. Trotzdem ich noch Schmerzen hatte, konnte ich nicht den Ganzen Tag Zuhause liegen. Ausserdem wollte ich meine Vorlesung in der naechsten Woche halten und den Folien den letzten Schliff geben.
Und so laufe ich jetzt rum (seit dieser Woche nur noch eine Kruecke und endlich wieder Jeans)In der Woche vom 26.04-02.05 ging es mit der Vorlesung los. Am Anfang noch auf 2 Kruecken verlief aber alles recht glatt. Viel ist sonst nicht passiert.
In der Woche vom 03.05-09.05 ging die Vorlesung weiter, aber es stand auch ein Training an unserem neuen MALDI-TOF an. Meine Chefin wollte mir eigentlich nicht auch noch dieses Geraet ueberhelfen, aber ich wollte die Technik gerne lernen. Also habe ich mit Edith und Megan (Bild) an dem Kurs teilgenommen. Volker unser "Lehrer" Volker aus Bremen hatte einen recht anstrengenden Stil, uns die Dinge beizubringen. War so ein wenig wie bei einem Menschen mit ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung). Er erklaerte eine Sache und dann sah er etwas auf dem Bildschirm oder am Geraet und wechselte sofort das Thema oder erzaehlte eine Geschichte von einer anderen Installation. Am Ende der drei Tage viel ich Freitag Abend um 21.00 Uhr ins Bett und hab 12 h durchgeschlafen, nur unterbrochen von Alptraeumen von Volker.
Edith, Volker und Megan beim MALDI-TOF TrainingIn dieser Woche bin ich wieder so ein wenig zurueck ins Alltagsleben gekommen. Studenten haben die Chance genutzt endlich mal wieder mit mir zu messen und unendlich viele Fragen zu stellen. Ausserdem musste ich eine Vorlesung von meiner Chefin ueberehmen, da sie nach Pretoria fliegen musste , um eine Ehrendoktorwuerde zu erhalten. Uebrigens die Zweite in 3 Wochen. Nach vier Wochen war ich auch mal wieder was trinken. Henning hat ein Jobangebot von der University of Capetown und hat dieses am Donnerstag offiziell angenommen. Ab Januar 2011 geht es fuer ihn und Penny nach Kapstadt. Daraufhin lud er mich zum Essen in die Ratte ein und beim Relegationsspiel Nuernberg-Augsburg gab es noch weitere Biere. Ein letztes Bier (Scheidebecher) im Yellow House beschloss den Abend. Lange nicht mehr solche Kopfschmerzen gehabt wie am Freitag morgen. Ich bin komplett aus der Uebung...
Soviel von mir!
Daumen druecken fuer Bremen heute! Die Bayern koennen dann naechste Woche die CL gewinnen!
Liebe Gruesse
Christian
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