es hat mal wieder vier Wochen gebraucht bis ich zum naechsten Eintrag. Diesmal habe ich sogar eine Ausrede. Ich hatte immer Angst davor und deshalb Fussball auf einem ganz lockeren Level gespielt. Ohne grossen Koerpereinsatz und Ambitionen. Ich wollte einfach etwas fit bleiben und ich spiele dann lieber Fussball als dass ich durch die Gegend jogge. Aber dann ist es doch passiert und ich habe mir am 18.04. eine relativ schwere Verletzung zugezogen. Ja, ich wollte mit den Ball an jemanden vorbei laufen, bin weggeruscht, der Gegenspieler ebenfalls und auf mich drauf gefallen und raus war die Kniescheibe. Ich wusste sofort, dass es was Schlimmeres war. Alle um mich herum wollten mich beruhigen, aber die meisten von euch kennen ja meine Verletzungsgeschichten und mit dieser Erfahrung war mir sofort klar, dass das wieder mal im Operationssaal endet. Ich dachte und sagte nur FUCK und warum hier in Suedafrika. Ich hatte richtig Angst, dass ich nicht richtig versorgt werden kann und einen bleibenden Schaden am Knie behalte. Ja, dann dann ging es mit Harry, Tom und Henning ab ins Krankenhaus in Grahamstown. Dort gab es fuer mich die Wahl "pivate" oder "public". Die "public"-Versorgung ist in Suedafrika frei fuer alle, bedeutet aber, dass man auch an Aerzte geraten kann, die keinen Plan haben. "private" bedeutet man sieht einen "besseren" Arzt und muss auch bezahlen. Also sagte ich private, aber da meinte der Mann in der Aufnahme nur:" Gibt dir nen Tipp, sag public, denn das ist der gleiche Arzt!". Ich dachte nur, na das geht ja gut los. Nachdem ich dann ca. 2 h gewartet habe, kam der Arzt. Zwischendurch hatte ich mir schon allein die Roentgenbilder besorgt. eine Frau kam durch und wollte wissen, wer zum Roentgen muss und ohne Arzt habe ich einfach hier gesagt. Naja und dann hat sie ich einfach geroentgt. War aber gut so, da der Arzt die sowieso brauchte. Der schaute sich die Bilder an und meinte die Kniescheibe waere raus aber sonst allles okay und ich soll das Bein einfach 3 Wochen hochhalten und kuehlen und dann geht die Kniescheibe wieder zurueck. Man muss dazu sagen, dass man die Kniescheibe richtig oberhalb des Knies unter der Haut sehen konnte. Da war bei mir die Geduld zuende und ich meinte, dass ich weder mit seiner Diagnose noch mit der Therapie uebereinstimme und ne zweite Meinung will. Ich war mir sicher, dass auch Baender durch waren. Darauf wurde der froehliche Arzt, der sich vorher noch locker ueber Fussball mit uns unterhalten hat, nervoes. Nach ca. 15 min kam er zurueck und meinte ich soll das Bein mal anheben. Ich konnte das aber nicht und da meinte er, dass wohl doch Baender durch sind. Er habe grade mit einer Spezialistin in P.E. gesprochen und die hat ihn gefragt, ob ich das kann. Er wuerde mich jetzt ueberweisen und ich sollte sofort nach P.E. in das Livingsston Krankenhaus (staatlich). Zwischendurch waren schon meine Chefin und Denzil, der Mann meiner Kollegin Edith eingetroffen. Wir hatte naemlich nach der Therapie "Beine hoch" schon andere Plaene gemacht. Ich wollte ins St. George's Hospital in P.E. Das ist das private Krankenhaus in P.E. Henning war zu muede, um mich noch 1,5 h nach P.E. zu fahren und so hatte ich Edith angerufen und gefragt, ob sie sich das zutraut. Sie meinte es waere besser, wenn Denzil das macht. Ich fragte noch den Arzt, ob der mich ins St. George's ueberweisen koennte, da die Reise dahin geht, aber er meinte, er koennte das nicht. Also ging es nach P.E. Mittlerweile war es 21.30 Uhr. Gegen ca. 23.00 Uhr kamen wir im Krankenhaus an. Ich kam relativ schnell dran. Man muss dazu wissen, dass viele Menschen in Suedafrika nicht krankenversichert sind und sich eine Behandlung in einem privaten Krankenhaus nicht leisten koennen. Ich bin mittlerweile bei der DKV auslandskrankenversichert und muss zunaechst erstmal alle Rechnungen bezahlen und erhalte das Geld zurueck. In diesem Moment wusste ich aber nicht, ob das alles so laufen wird, es war mir aber auch egal, da ich einfach nur gesund werden wollte. Ich musste ein Deposit von 1000 Euro (eigentlich 2000 Euro, aber ich hab verhandelt) hinterlassen, damit ueberhaupt etwas gemacht wird. Leider mussten die Leute dort erneut ein Roentgen-Bild machen, da mir der Arzt in Grahamstwon die Bilder nicht mitgegeben hat. Der Arzt dort meinte sofort, dass es operiert werden muss und ich morgen frueh um Spezialisten muss. In diesem Moment hatte ich das erste Mal seit Stunden wieder das Gefuehl, dass es wieder gut werden koennte. Das Krankenhaus koennte mich jetzt aufnehmen oder ich fahre nach Hause und komme wieder. Denzil hatte beschlossen bei seiner Schwester in P.E. zu uebernachten und am naechsten Tag erst wieder nach Grahamstown zu fahren. Er nahm mich mit zu seiner Schwester und fuhr mich am naechsten Morgen wieder zum Krankenhaus. Dort wurde ich sofort zum Spezialisten gefuehrt und musste nicht lange warten. Dr. Swart war einer von diesen typischen abgebruehten orthopaedischen Chirurgen, wie sie mir in meiner Verletzten-Karriere schon oft untergekommen sind. Sehr nett und ohne jede Aufregung meinte er, dass ich operiert werde muesste. Er wollte vorher aber nochmal ein MRT machen, um sich die Baender und Sehnen anzusehen. Danach ging es fuer mich auf Station. Dort stellte sich heraus, dass der Doc mich schon am gleichen Abend operieren wollte. So war es dann auch und mir ging es recht gut nach der OP. Ich blieb noch bis Mittwoch morgen im Krankenhaus. Mein Zimmernachbar der Eric, ein typischer Coloured, hatte unglaublich viele Geschichten zu erzaehlen. Das Problem war, dass Englisch nicht seine erste Sprache war (Aficaans) und er seine Zaehne Zuhause gelassen hatte. Das "th" ohne Zaehne ist quasi unmoeglich und somit musste ich ca. jeden 2ten Satz nachfragen, was er gesagt hatte. Naja so gehen Tage auch rum. Am Ende wollte mich Eric noch ohne zu fragen mit einer huebschen Schwester verkuppeln, was aber durch seine agressive Flirttour gehoerig schief ging und die Schwester war am Ende auch noch sauer auf mich und meidete unser Zimmer. Mittwoch ging es nach Hause. Meine chefin hatte mir ein Shuttle geschickt, um mich wieder nach Grahamstown zu bringen. Ich war nun mit Schiene am Bein und Kruecken bewaffnet. Donnerstag bin ich dann schon wieder in die Uni gefahren. Trotzdem ich noch Schmerzen hatte, konnte ich nicht den Ganzen Tag Zuhause liegen. Ausserdem wollte ich meine Vorlesung in der naechsten Woche halten und den Folien den letzten Schliff geben.
Und so laufe ich jetzt rum (seit dieser Woche nur noch eine Kruecke und endlich wieder Jeans)In der Woche vom 26.04-02.05 ging es mit der Vorlesung los. Am Anfang noch auf 2 Kruecken verlief aber alles recht glatt. Viel ist sonst nicht passiert.
In der Woche vom 03.05-09.05 ging die Vorlesung weiter, aber es stand auch ein Training an unserem neuen MALDI-TOF an. Meine Chefin wollte mir eigentlich nicht auch noch dieses Geraet ueberhelfen, aber ich wollte die Technik gerne lernen. Also habe ich mit Edith und Megan (Bild) an dem Kurs teilgenommen. Volker unser "Lehrer" Volker aus Bremen hatte einen recht anstrengenden Stil, uns die Dinge beizubringen. War so ein wenig wie bei einem Menschen mit ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung). Er erklaerte eine Sache und dann sah er etwas auf dem Bildschirm oder am Geraet und wechselte sofort das Thema oder erzaehlte eine Geschichte von einer anderen Installation. Am Ende der drei Tage viel ich Freitag Abend um 21.00 Uhr ins Bett und hab 12 h durchgeschlafen, nur unterbrochen von Alptraeumen von Volker.
Edith, Volker und Megan beim MALDI-TOF TrainingIn dieser Woche bin ich wieder so ein wenig zurueck ins Alltagsleben gekommen. Studenten haben die Chance genutzt endlich mal wieder mit mir zu messen und unendlich viele Fragen zu stellen. Ausserdem musste ich eine Vorlesung von meiner Chefin ueberehmen, da sie nach Pretoria fliegen musste , um eine Ehrendoktorwuerde zu erhalten. Uebrigens die Zweite in 3 Wochen. Nach vier Wochen war ich auch mal wieder was trinken. Henning hat ein Jobangebot von der University of Capetown und hat dieses am Donnerstag offiziell angenommen. Ab Januar 2011 geht es fuer ihn und Penny nach Kapstadt. Daraufhin lud er mich zum Essen in die Ratte ein und beim Relegationsspiel Nuernberg-Augsburg gab es noch weitere Biere. Ein letztes Bier (Scheidebecher) im Yellow House beschloss den Abend. Lange nicht mehr solche Kopfschmerzen gehabt wie am Freitag morgen. Ich bin komplett aus der Uebung...
Soviel von mir!
Daumen druecken fuer Bremen heute! Die Bayern koennen dann naechste Woche die CL gewinnen!
Liebe Gruesse
Christian
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