jetzt sind es noch wenige Tage und die WM geht los. Habe von einigen von euch gehoert, dass das WM-Fieber noch nicht so richtig in Deutschland angekommen ist. Hier laeufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Die Uni hat die Arbeitszeiten auf 16.00 Uhr verkuerzt, damit man zu den 16.00 Uhr-Spielen gehen kann und am Freitag findet die offizielle Rhodes-University-WM-Eroeffnungsparty statt. Also alle Zeichen stehen auf WM und ich moechte mich hier schon mal festlegen, dass unsere Mannschaft ein gutes Turnier spielen wird. Am 18.06. werde ich die dann hier live in P.E. im Stadion gegen Serbien sehen. Schon wieder WM im eigenen LAND!
Aber nun mal zunaechst der Reihe nach, was in den letzten Wochen passiert ist.
In der Woche von 17.05-23.05 ist zunaechst John Mack (Herkunft Schottland) aus Japan hier angekommen. Das sagt den meisten von euch nichts, aber John ist der Guru auf meinem Gebiet fuer theoretische Berechnungen von Energieniveaus in den Molekuelen mit denen ich arbeite. Habe ihn recht oft in meiner Doktorarbeit zitiert, bin ihm aber nie persoenlich begegnet. Am Wochenende stand dann Hennings Geburtstag an. Henning wollte von Samstag auf Sonntag reinfeiern und dann Sonntag bei sich ein Fisch -Braii veranstalten. Ali hatte von seinem letzten Fieldtrip in Kapstadt jede Menge Fisch mitgebracht und Henning zum Geburtstag geschenkt. Ausser dem Fisch hat Ali auch einen Ring mitgebracht und um Ivys Hand angehalten. Zunaechst wollten wir Samstag das CL-Finale Bayern-Inter im Oldie sehen. Leider war das Oldie ein paar Stunden vorher ausgebrannt und wir auf der Suche nach einer neuen Moeglichkeit. In der Ratte lief noch Rugby und somit ging es in das Equi nebenan. Leider konnten die Mitarbeiter keinen ton auf den Fernseher legen, so dass die erste Halbzeit stumm blieb. Zur zweiten Halbzeit ging es rueber in die Ratte zur Grossbildleinwand. Die Stimmung war gut, aber das Ergebnis ist bekannt. Nach kurzer Trauer ging es aber mit diversen Shooter und Bieren Richtung 0.00 Uhr und Hennings Geburtstag. Wir blieben noch in der Ratte bis sie uns um 2.00 Uhr puenktlich zum Zapfenstreich rausgeschmissen haben. Aber das Equi war noch offen und Tanaka, der Bruder von Wadzi (meiner Dokotrandin, jetzt selber Doktor) ueberredete den Manager den Laden offen zu lassen und denn es wuerden 10 weitere Leute kommen und er lege die Musik auf. Also hatten wir in der oertlichen Disko unsere eigene Party und ich habe das Knie mal wieder auf seine Tanztauglichkeit getestet (hat gehalten). Sonntag um 13.00 Uhr stand der Fisch-Braii an. Die halbe Mannschaft trat mit Kater an, aber mit Konter-Bier und Fisch konnten die meisten erfolgreich dagegen ankaempfen. Das Wetter war super und wir sassen lange draussen bis es uns dann zu kalt wurde. Irgendwann kam jemand auf die Idee 30 Sekunden zu spielen. Das ist ein Gesellschaftsspiel, bei dem man in 30 Sekuden 5 Begriffe erklaeren muss ohne das Wort oder Teilwoerter zu verwenden. Fuer mich war es faszinierend, wie das Allgemeinwissen verstreut war. Wenn unsere Maedels sich bestimmte Celebrities erklaeren wollten, hiess es nur: "War mit dem zusammen,... nee, nicht die, die danach,... ach die!" In diesem Momenten schauten sich Henning und ich nur verwundert an, denn da sahen wir keinen Stich. Wenn es aber darum ging zu erklaeren was Fort Knox ist, dann hiess es:" ... das liegt, glaube ich, unten an der Kueste zwischen East London und Port Alfred." Es kam keiner drauf, aber vielleicht stimmt das ja?!? Gegen Ende wurde es auch sehr umkaempft, so dass wir auf eine zweite Runde verzichteten, damit sich die Maedels nicht in die Haare bekommen.
In der Woche vom 24.05-30.05 sollte ich einen Vortrag ueber die Physik des Fussball und der Vuvuzela fuer Schueler im Albany Museum halten. Es sollte jeden Tag zwischen 9.00 und 10.00 Uhr stattfinden mit verschiedenen Klassen aus Grahamstown. Es kostete mich ziemlich viel Zeit das vorzubereiten, aber es hat sich gelohnt. Die Schueler waren jeden Tag begeistert und haben bei allem gut mitgemacht. Man hat aber auch deutlich gesehen, dass Fussball ein Sport der schwarzen Bevoelkerung ist. Die schwarzen Schueler wussten alles, was ich erfragt habe, von jeden Nationalspieler bis hin zum Ball und Trainer, Vereine u.s.w.. Die weissen Schueler spielen von Kind auf eher Rugby und wenn die Eltern Geld haben auch Cricket. Traurig war fuer mich der Besuch der Klasse am Donnerstag, denn da kamen Schueler aus einer Schule fuer Kinder mit Behinderungen aus dem Township (special needs). Diese Behinderungen stammen ueberwiegend von prenatalen Schaedigungen der Kinder, also auf deutsch die Mutter hat getrunken oder Drogen genommen waehrend der Schwangerschaft. Nach diesem Vortrag war ich richtig erschoepft, da die Kinder einerseits schwer zu motivieren und zum Mitmachen zu bewegen waren. Auf der anderen Seite ich mich extrem gefreut, wenn ich die Kinder begeistern konnte und etwas zurueck kam.
Freitag Abend sind wir (Edith und ich) mit John in die Ratte gegangen. Seit seiner Ankunft sind wir einmal mit Prof. offiziell mit ihm in unserem franzoesisches Restaurant (gibt nur eins) gegangen, aber nie wirklich mal locker ein Bier trinken gegangen. Ali und Henning waren auch noch in der Ratte. Nachdem uns Ali und Henning verlassen hatten und die Ratte sich mit immer mehr Partyvolk fuellte, gingen wir noch weiter ins Yellow House. Nach diversen Shooter und ein paar Bier draengte ich ein wenig auf ein Ende des Abends, da ich wusste, dass wir am naechsten Tag mit John in den Addo fahren wuerden. Der Schlaf reichte trotzdem nicht. John hatte auf dem Weg zum Addo sichtlich zu kaempfen, hingegen ging es mir recht gut. Im Addo haben wir mal wieder viele Elefanten gesehen, aber zu unserer Ueberraschung auch vier Loewen. Danach ging es zum Capetown Fish Market, eine recht teure Fisch-Restaurant-Kette, in P.E. Es gab sehr leckeren Fisch und als Vorspeise Sushi. Zueruck auf dem Parkplatz stellten wir fest, dass wir einen Platten hatten. Ich sah das Laenderspiel Deutschland gegen Ungarn, zu dem ich wieder in Grahamstown sein wollte, schon an meinem inneren Auge vorbeirauschen. Aber da habe ich nicht mit unserem Fahrer Eric gerechnet. Der meinte er faehrt mal schnell zur Tanke und bringt wieder Luft auf den Reifen. Da sah ich mich vor meinem inneren Auge schon im Strassengraben. Ca. 30 km spaeter hielten wir an der naechsten Tanke an, um den Reifen wieder mehr Luft zu geben. Danach musste der Reifen 90 weitere Km durchhalten, was er auch tat. Der Deutsche war mal wieder zu deutsch, trotzdem er schon ein Jahr im Land ist.
Am Sonntag ging es zu Jackys Geburtstag auf deren Farm. Dort sassen wir fast den ganzen Tag bis spaet in die Nacht am Lagerfeuer und haben Fisch und Rindergulasch gegessen.
In der Woche vom 31.05-heute stand am Montag zunaechst die Korrektur der Examen an. Wollte das so schnell wie moeglich hinter mich bringen und das gelang mir auch. Der Rest der Woche war mit Vortragen der Honours-Studenten und Probevortraegen der PhD-Studenten gefuellt, so dass man wenig zum Arbeiten kam. Mittwoch sind wir nochmal mit John auf ein letztes Abendbrot und Bier ins Yellow House gegangen bevor er uns Richtung Japan am Donnerstag verliess. Donnerstag Abend stand das Laenderspiel gegen Bosnien an, aber auch Alis Junggesellenabschied. Ivy und Ali wollten Freitag standesamtlich heiraten und somit konnten wir den Fussballabend mit Alis letzten Tag in Freiheit verbinden. Neben Henning und mir kamen noch einige Kollegen von Ali, so dass wir den Manager der Ratte ueberreden konnten einen Teil der Ratte nunr fuer uns zu oeffnen (im Rest der Ratte wurde Cricket geschaut). Dort konnten wir in Ruhe Fussball auf Grossbildleinwand sehen. Ivys Bedingungen waren: Kein Schnaps fuer Ali und er sollte um 22.30 nach Hause kommen. Naja, wir haben Tequila als kein Schnaps definiert und aus 22.30 wurde 1.00 Uhr. Also fast alle Regeln eingehalten. Da ich am naechsten Morgen nocheinmal meinen Fussball-Vortrag halten sollte (aufgrund grossen Erfolgs verlaengert) , musste ich frueh raus. Das war hart. Um 14.00 Uhr stand die standesamtliche Hochzeit an. Im gleichen Raum wie bei Jacky und Stuart letztes Jahr war die Trauung schnell erledigt, lange hat nur das Ausfuellen der Dokumente gedauert. Am Ende wird die Hochzeit neben der Unterschrift auch mit dem Fingerabdruck besiegelt. Der Knaller diesmal war, dass Ivy, die Standesbeamte nach der Trauung fragte, in welchem Monat sie denn sei und die nur meinte, nee:" Nein, ich bekomme nur den Bauch nicht mehr weg." Au weia, gut, dass das eine Frau gefragt hat. Danach ging es noch ins Yellow House auf einen kleinen Empfang. Nach und nach kamen viele Bekannte von Ali und Ivy an, so dass wir am Ende das ganze Deck fuer uns hatten. Henning und ich haben sich dann gegen 20.00 Uhr verabschiedet, da heute und morgen die Party noch weitergeht. Heute feiern Penny und Sanel Geburtstag und morgen wir auf Pennys Geburtstag noch ein Braii veranstaltet. Der alte Mann muss sein Kraefte einteilen...
Soviel von mir.
Liebe Gruesse aus dem Land der WM 2010
Christian
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